2. – 5.11.2012 Sawadee ka aus Chiang Mai

Es war so viel los die letzten Tage, dass ich erst jetzt wieder dazu komme ein paar Zeilen zu schreiben. Oh man, ich habe eine Kakerlake gegessen! Und war bei einer Ladyboy-Show!
Aber schön der Reihe nach: Nach ewiger Warterei am Flughafen von Bangkok (so wie es aussieht habe ich meine Orientierung und meine Fähigkeit mich im Flughafen alleine zurecht zu finden deutlich unterschätzt) schaffe ich es tatsächlich in den richtigen Flieger einzusteigen. (Auch wenn ich zugeben muss, dass ich das System, nach dem das Bodenpersonal uns ins Flugzeug einsortieren will, nicht ganz verstehe und so, wie alle anderen auch, einfach irgendwann einsteige)
Nicht mal eine Stunde später lande ich in Chiang Mai und werde dort von einer unserer Koordinatorinnen zusammen mit zwei weiteren Freiwilligen eingesammelt. Im Volunteer Haus angekommen fängt ein regelrechter Vorstell-Marathon an: wir sind ein bunt gemischter Haufen aus Australien, Fidji, England, Holland, Frankreich, der Schweiz, Amerika und Deutschland und auch wenn es unmöglich ist auch nur einen Bruchteil gleich zu behalten, ist es sehr interessant die vielen Geschichten über Reisen, Arbeiten und die verschiedenen Länder zu hören.
Nach der ersten Nacht geht es zum Leid derjenigen, die mit Jetlag zu kämpfen haben, früh morgens los mit dem Programm: Regeln, Informationen und Details zu unseren Projekten und dem Leben in Thailand und eine erste Stunde Thai-Unterricht. Nach einem wirklich tollen thailändischen Buffet machen wir eine Stadttour und langsam schwirren die ganzen Namen, Heimatländer und zugehörigen Projekte in meinem Kopf herum. Am Abend habe ich dann die Möglichkeit ein paar Leute der wirklich interessanten Gruppe bei einem Bier näher kennenzulernen und langsam aber sicher entsteht eine Art Wettkampf zwischen den Holländern und Deutschen. Momentan liegen die Holländer im „den anderen verstehen“ allerdings deutlich vorne.
Nach einer nächsten Portion Vokabeln und Informationen geht es am nächsten Tag auf den größten Markt von Chiang Mai. Da ich in Bangkok auf den Märkten schon so einiges gesehen habe, bin ich nicht mehr ganz so überrumpelt von den vielen Ständen mit seltsamen Auslagen, den vielen Geräuschen und Gerüchen. Aber dann kommt unsere Koordinatorin mit mehreren kleinen Tüten um die Ecke und mir wird klar, dass man in Thailand immer und überall etwas neues und noch verrückteres entdecken kann. Wir probieren klebriges, klitschiges, süßes, salziges, scharfes und am Ende hält sie einen Beuteln hoch, dessen Inhalt bedenklich viele Beine und Fühler hat. Und da man einmal im Leben wohl auch sowas mal probieren muss, beiße ich ohne viel zu überlegen in meine geröstete Kakerlake. Igitt igitt. Am Anfang schmeckt es ähnlich wie Hühnchen, aber die vielen pieksigen Beinchen und die seltsame Flüßigkeit aus dem inneren des Insekts sind mir dann doch nicht so ganz geheuer und so wird es wohl die erste und einzige Kakerlake meines Thailand Besuchs bleiben.
Den nächsten Tag habe ich frei, da mein Projekt immer erst Dienstags startet und ich mache mich mit einem Teil meiner Projektpartner auf den Weg, um den Wasserfällen eine zweite Chance zu geben: Und siehe da, so komme ich doch noch zu meinen Wasserfällen, die auch tatsächlich Wasser führen.
Am Abend wird mir erneut bewiesen, dass man nie wissen kann, was in Thailand als nächstes um die Ecke kommt: Erst hören wir einem Gitarre spielenden Polizeiofficer zu, werden dann aber schnell von einem quietschenden, kreischenden, kunterbunten Haufen abgelenkt, der uns zu einer Ladyboy – Show einlädt. Und das ist mit Abstand das schrägste was ich je gesehen habe und lässt sich einfach nicht in Worte fassen, man muss einfach selbst gesehen haben wie die Ladyboys in funkelnden, schillernden Minikleidern und in silbernen Highheels über die Bühne tanzen und eine wahnsinnige Show präsentieren.

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2 Gedanken zu „2. – 5.11.2012 Sawadee ka aus Chiang Mai“

  1. Liebe Julia
    Whaooo, Du übertriffst alles, was ich mir an Mut bis jetzt vorstellen konnte. Kakerlake essen; bitte mach das nicht zu oft, so sauber sind die möglicherweise doch nicht oder danach immer ein zünftiger Schluck Lao Khao.
    Wünsche Dir eine schöne Zeit mit den Kindern und grüsse herzlich.

  2. Heissa, mein superpad hat meinen ganzen schönen text gelöscht, also nochmal.

    Die kakerlaken seien sicher bekömmlicher als tiefkühlpizza hatte ich angemerkt;

    dass ich gerne reichlich über die lady boys wüsste, von welchem ufer man sein muss, um intensivere gefühle zu ihnen hegen zu können, etc.

    Ach ja, falls Dir das bio brot deines alten herrn noch immer fehlt: hier findet sich das rezept zum besten waldstaudenroggen sauerteigbrot, das ich je gebacken habe, was immer das wert sein mag.

    Mach’s gut, Ralf

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