29.12.2012 North Heads

Nachdem ich dich heute morgen viel zu früh schon wieder gehen lassen muss, geht es für mich auch schon zurück nach Manly zu Jehan und dann gleich weiter in den National Park nur ein Paar Minuten vom Strand entfernt. Und die An- und Ausblicke, die uns hier erwarten, machen uns einfach nur sprachlos. Immer wieder habe ich das Gefühl, das wir auf eine neue Seite in einem Hochglanz Fotoband stolpern: strahlend blauer Himmel, das Meerwasser schimmert türkis blau auf, wenn es gegen die rot-braunen Felsen schlägt und der Weg, der sich durch die dicht bewachsene Landschaft über große scharfkantige und vom Wasser abgerundete Steine schlängelt, lässt uns einfach nicht glauben, dass wir immer noch in Manly sind.

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24.12. – 27.12.2012 weiße Weihnachten am Strand

Irgendwie will einfach keine Weihnachtsstimmung aufkommen, wenn man in T-shirt und kurzer Hose am Strand entlang läuft und so beschließen wir wenigstens ein paar Plätzchen zu Backen. Leider stellt sich heraus, dass auch das leichter gesagt als getan ist, denn in diesem Haus hat niemand eine Waage. Generell scheinen die Australier nicht besonders backfreudig zu sein, sie haben ja ihre BBQs – Warum also lange in der Küche stehen?
Doch selbst als wir schließlich von einer sehr freundlichen Nachbarin, die sich ziemlich über unser Backvorhaben amüsiert, australische Cups zum abmessen der Zutaten auftreiben und das deutsche Rezept mehr oder weniger genau umrechnen können und sogar “ in der Weihnachtsbäckerei“ anhören und Kerzen anzünden, bleibt es irgendwie seltsam Weihnachtsplätzchen im Hochsommer zu Backen und als die Plätzchen schließlich auch noch im GasHerd anbrennen, geben wir uns geschlagen und gehen lieber nochmal eine runde Surfen.
Am Abend des 24. versuchen wir es noch einmal indem wir für unser Weihnachtsessen in ein deutsches Restaurant gehen, doch auch wenn das Essen wirklich lecker schmeckt, lässt die Cornflakes-Panade des „Wiener Schnitzels“ und der warme Kartoffelsalat uns ein kleines bisschen dem Fleischfondue bei mir zu Hause und den Würstchen und Kartoffeln bei Flo nachtrauern. Aber auch nur solange, bis wir uns nach dem Essen am im Dunkeln weiß leuchtenden Strand über ein Schokoladen-Brownie-Karamell-Eis von Ben & Jerry’s hermachen. (:
Die berühmte Weihnnachts-BBQ-Schlacht am 25. fällt leider Wort wörtlich ins Wasser, denn am Christmas Day schüttet es in Strömen und so verbringen wir den Feiertag mit deutschen Filmen und von zu Hause angekommener Schokolade in unserer Wohnung.

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16.12. – 23.12.2012 Bondi Beach

Bondi Beach: Der Strand der Schönen und Reichen, Surfangefressenen und braungebrannten Athleten, aber gleichzeitig auch der Strand der sonnenverbrannten Touristen, Fast Food- essenden Jugendcliquen, mit Strandmuscheln beladenen Familien und Poker spielenden Rentnern. Vor allem ist es aber der Strand an dem ich dich endlich wieder habe.

Am 16. Dezember bin ich so hibbelig, dass ich viel zu früh in den Bus zum Flughafen steige. Und weil die wichtigen Flugzeuge irgendwie immer zu spät ankommen, als würden die Piloten die Spannung vor dem Wiedersehen extra noch mehr ausreizen wollen, stehe ich mit meinem Rucksack beladen so lange in der Ankunftshalle herum, dass ich fast vor Ungeduld platze. Als ich meinen Freund dann nach fast 3 Monaten endlich wieder in die Arme schließen kann, kommt es mir vor, als ob die Zeit stehen bleiben würde. Tut sie aber natürlich nicht und so werden wir auch schon von der Gepäckwägen schiebenden, schnatternden Menge zum Ausgang gedrängt.
Während wir darauf warten, dass wir unsere Wohnung in einem wunderbar niedlichen blauen Haus für die nächsten zwei Wochen beziehen können, machen wir uns auf zum 2 Minuten entfernten Strand und sind erst mal von dem oben beschriebenen Publikum geschockt, dass Sonntags in allen Varianten jeden Meter des Sandstrands bedeckt.
Die nächsten Tage verbringen wir mit Ausflügen zur Habour Bridge und nach Manly, damit an unseren mittlerweile profigleichen Surffähigkeiten (naja fast) zu arbeiten und festzustellen, dass unsere Kartoffelsalatergebnisse trotz größter Anstrengungen mangels festkochender Kartoffeln einfach nicht wie der von Oma schmecken will. ( Jetzt wo bald Weihnachten ist, kommt eben doch kein BBQ an das Essen von zu Hause heran )
Da sich unsere Tiersichtungen leider immer noch auf komische Vögel mit kahlen Köpfen (bei mir in Sydney) und Schafe (in Neuseeland bei Flo) beschränken, machen wir uns, fest entschlossen ein Känguru in Australien zu finden, auf zum Wild Life Zoo.
Auch wenn wir die meisten Tiere nur in ihren Käfigen beim Nichts tun beobachten können, sind wir fast ein wenig stolz, als wir unseren ersten Koala entdecken und ein Walabi direkt neben uns vorbeihüpft. Und immerhin können wir jetzt sicher sein, dass wir ein Känguru erkennen, wenn es uns über den Weg läuft(:

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9.12 – 13.12.2012 Manly

Nach einer Woche in Manly, Sydney, habe ich mich immer noch nicht ganz an die offene Art der Australier gewöhnt. Wenn man in ein Geschäft geht wird man mit „Hey, how are you today?“ begrüßt und als wir in eine Bar kommen, wird uns schon nach den ersten 5 Minuten einfach mal so ein Drink ausgegeben. Gut für uns, denn die Preise hier sind genauso überwältigend wie die Freundlichkeit der Australier. Obwohl wir deswegen noch keinen Cent für Getränke ausgeben mussten, schlägt Ausgehen hier mit den NightClub-Eintritten von 30 Aus$ und aufwärts ganz schön in unser Budget. Aber dafür sparen wir durch die Einladungen zu den typisch australischen BBQs wieder Geld für Essen ein.
Das Australier BBQ süchtig sind, ist keinesfalls ein Klischee. Hier wird immer und überall gegrillt und dazu fließt reichlich Bier. An den meisten Stränden gibt es Public-Barbecues, bei denen man sein Fleisch einfach zu den restlichen Fleischbergen auf den Grills legen kann. Letzte Woche wurde ich mit unseren Mitbewohnern aus dem blauen Haus zu einem BBQ von Freunden von Freunden von unseren Vermietern eingeladen. Obwohl wir niemanden kannten, hatten wir schneller als wir schauen konnten einen Teller mit Hühnchen und Steaks und eine Flasche Bier in der Hand und waren in ein Gespräch mit der Freundin des Freundes von irgendjemanden vertieft. Ganz schön verrückt, aber ein tolles Gefühl einfach sofort und ohne irgendwelche Fragen angenommen zu werden.
Neben BBQ ist Surfen hier das Thema Nummer 1 und so wage auch ich mich schließlich das erste Mal mit einem Board ohne Segel ins Wasser. Meine ersten Surfversuche laufen inklusive Board gegen den Kopf und unzähligen verschluckten Litern Salzwasser eher mittel bis überhaupt nicht gut, doch nachdem ich mich von der Überraschung, dass eine Welle mich nach stundenlangem Paddeln tatsächlich mitnimmt, erholt habe und ich (im liegen, ans Aufstehen habe ich in dem Moment auf dem wackeligen Board gar nicht gedacht) bis zum Strand düse, weiß ich, dass ich unbedingt nochmal aufs Wasser muss. (:

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2.12. – 6.12.2012 Wiedersehen in Sydney

Als unser Flugzeug mit Verspätung endlich im Flughafen von Sydney landet und sich alle erleichtert aus der viel zu kalten Kabine schieben wollen, kommt eine Durchsage, dass sich eine kranke Person an Board befindet und das Gesundheitsteam den Fall erst untersuchen muss, bevor die Maschine verlassen werden kann. Nicht besonders scharf auf eine Gruppen Quarantäne lasse ich mich wieder neben meinen Tomatensaft und Vodka trinkenden Sitznachbar fallen und stelle enttäuscht fest, dass die Kabinencrew unsere Decken bereits eingesammelt hat.
2 Stunden später als geplant werde ich im Flughafen erst mal von Verbotsschildern und großen Mülleimern begrüßt, bei denen ich mich von meinen, mit den letzten Thai Bhat gekauften, 10€- M&Ms verabschieden muss.
Nach einer Pass-,Visa-,und Gepäcküberprüfung, die so oberflächlich ausfällt, dass ich meinen weggeschmissenen M&Ms hinterher trauere, kann ich endlich Jehan begrüßen, die trotz Verspätung, Verzögerung durch Unwetter und Krankenheit am Eingang zur Empfangshalle auf mich wartet. Ich bin so müde und es gibt so viel zu erzählen, dass ich so gut wie nichts von unserem Weg vom Flughafen mitbekomme. Die Anzahl der Asiaten hat deutlich abgenommen, in den Bussen und Zügen bücke ich mich umsonst, die Luft ist besser und überall wird über BBQ, Surfen oder Strände gesprochen. An der nächsten Bushaltestelle warten 2 Surfer mitsamt Brettern und im Wetsuit mit uns auf den Bus, aber das ich nicht mehr in Thailand sondern in Australien bin, realisiere ich das erste Mal, als ich es nicht schaffe eine normale Cola-Dose zu öffnen.
Nachdem wir in unser Zimmer für die nächsten Wochen, in einem blauen Haus mit weißem Zaun und einem Haufen lustiger Mitbewohner, eingezogen sind, fordert der Jetlag erst mal seinen Tribut und ich falle total erschöpft ins Bett.

In den nächsten Tagen ist es zwar immer noch ziemlich windig und für mich kalt, aber zumindest hat sich die Sonne ihren Weg durch die Wolken gebahnt und der Himmel strahlt in einem leuchtenden Blau. Das Meer ist tief dunkelblau und hebt sich wunderschön gegen den Himmel und den hellen Sandstrand ab und von der Manly-Ferry aus kann ich einen Postkarten-Ausblick auf die Harbour Bridge und das Opera House genießen. Sehr erfolgreich eröffnen wir ein australisches Konto für mich, stauben in einem Hostel einen deutschen Lonely Planet über Australien ab und laufen genau in dem Moment an einem Starbucks vorbei, als dort gratis Gebäckstücke und Weihnachtsgetränke verteilt werden. Mit kiloweise Informationsmaterial beladen machen wir uns auf den Weg zurück zum Hafen und verteidigen unser Eis, das wir uns durch den Reiseführerfund verdient haben, gegen komische große Vögel mit langen Schnäbeln und kahlen Hinterköpfen.

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