Kategorie-Archiv: Australien

17.02.2013 Abschied von den Aussies

Verlorenes Gepäck, fehlende Passagiere und seit 10 Minuten immer wieder der gleiche Finalcall für Jetstar und Singapore Airlines… Ganz schön was los am Sydney Airport. Mein Flug hat Verspätung und so kann ich nach dem mein Wecker mich viel zu früh aus dem Bett geklingelt hat, erst mal mein von Emirates bezahltes Frühstück genießen. Für mich geht es heute nach Neuseeland, für Jehan weiter in den Süden Australiens. Im April treffen wir uns wieder in Neuseeland, aber jetzt ist es doch erst mal ein seltsames Gefühl hier seit 2 1/2 Monaten das erste Mal alleine darauf zu warten, dass es weiter geht.

Nach den ersten 4 Wochen in Sydney sind wir 6 Wochen kreuz- und quer die Ostküste hoch und runter gereist und haben dabei ca 5000Km zurückgelegt. (Davon wurden wir 40 Stunden in Bussen tiefgekühlt) Wir sind Hitzewellen und Überflutungen entkommen, haben erfolgreich unsere Fischabneigung überwunden, Nemo gefunden, sind über das Meer gerast und aus einem Flugzeug gesprungen. Wir haben einen ganzen Haufen neuer Leute kennengelernt, Verwirrung gestiftet und uns so an das Backpacker-Leben gewöhnt, dass ein Eis für 30 cent die Laune in wenigen Sekunden zum Höhepunkt bringen kann, Plastikgabeln als Grillzange nicht ungewöhnlich sind, wir uns nicht einmal mehr fragen, ob wir wirklich schon wieder Nudeln mit Pesto frühstücken können und uns ein Brot, dass sich unglaublicherweise nicht als getarntes Toast herausstellt, sondern tatsächlich beim reinbeissen Knusper-Geräusche macht, so aus dem Konzept bringt, als hätten wir gerade Channing Tatum persönlich getroffen. (:

Die letzte Woche haben wir in Byron Bay verbracht, eine Stadt, in die wir uns schon in den ersten paar Minuten verliebt haben: es fahren fast mehr bemalte Busse als „normale“ Autos durch die Gegend (am ersten Tag ist einfach eine knallrote VW-Bus Limousine an uns vorbei gefahren !!!!), die Sonne strahlt vom blauen Himmel, die Strände sind einfach atemberaubend schön und für einen Moment zieht uns die Atmosphäre so sehr in den Bann, dass es gar nicht so abwegig erscheint, uns Rastalocken machen zu lassen und mit einem Hund und Surfbrettern in ein kleines Haus direkt am Strand zu ziehen…Kein Wunder, dass hier jeder mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Strassen läuft.
So schwer es uns auch fällt, müssen wir weiter ziehen, aber dafür schaffen wir es noch einmal unserem blauen Haus in Manly einen Besuch abzustatten bevor ich mich von Australien verabschieden muss.

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26.01. – 06.02.2013 Cairns

Hat irgendjemand ein Trapez Größe M? Ich dachte, dass L bei ihrer Länge passt, aber sieht so aus als ob ich mich getäuscht habe, sagt der Kerl der hinter mir sitzt und zupft an den Gurten die über meine Schultern rutschen. Wird schon irgendwie passen, meint er und schaut todernst in die Runde. Ich sitze eingeklemmt zwischen 11 anderen Leuten in einem winzigen Flugzeug dass bedrohliche knattert während die Häuser unter uns immer kleiner werden. Mir ist klar, dass die Trapeze Einheitsgröße sind und bin irgendwie ganz froh, dass ich einen Instruktor erwischt habe, der pausenlos versucht mich zu verwirren, so habe ich wenigstens keine Zeit mir Gedanken darüber zu machen, dass wir 14000ft über dem Boden sind und das einzige was uns im Moment noch vor dem freien Fall trennt ein Rolltor ist. Bevor ich mich über den schlechten Witz beschweren kann,bin ich schon fest mit ihm vergurtet. Jetzt wird es ernst. Keine Möglichkeit mehr zu fliehen, grinst er und schiebt mich einfach zur Kante des Flugzeugs. Ich bin noch am überlegen, ob ich runterschauen soll oder nicht, da fallen wir auch schon mit 200km/h dem Boden entgegen. Nach den ersten paar Sekunden geniesse ich nur noch dieses wahnsinnige Gefühl und dann ist es schon vorbei. Der Fallschirm öffnet sich und langsam gleiten wir wieder zurück zum Boden. Jehan landet neben uns und wir können gar nicht mehr aufhören zu lachen. Wir sind ernsthaft aus einem Flugzeug gesprungen.

Die nächste Herausforderung lässt nicht lange auf sich warten. Obwohl wir beide nicht besonders Fischbegeistert sind, wollen wir uns zum Great Barrier Reef wagen. Gesagt, getan. Mit einer Unterwasserkamera bewaffnet und den zwei Holländern als Verstärkung nehmen wir an einem Reef Cruise teil. Mit Stingersuit, Flossen und Schnorcheln ausgestattet, lassen wir uns ins Wasser fallen und finden uns in einer anderen Welt wieder. Zwischen Korallen und Wasserpflanzen schwimmen orangene, lilane, blaue, grüne und Regenbogenfarbene Fische. Alles was man hört ist das Geräusch der größeren Fische, wenn sie an den Korallen „kabbern“ und ein weit entfernetes Blubbern. Wir finden Nemo und Dori, die an uns vorbei schwebt und Schwärme schwarzer Fische fliegen durch das Wasser. Durchsichtige Quallen glitzern in Sonnenstrahlen und plötzlich gleitet ein gigantischer Fisch an mir vorbei, der aussieht als ob er Jehan mal eben so verschlucken könnte. Es gibt Fische, die so bunt leuchten, dass man sie meterweit sieht und andere, die sich genau an ihre Umgebung angepasst haben und plötzlich aus dem Nichts auftauchen. Es ist schwer aus dieser verzauberten Welt wieder aufzutauchen, doch das Buffet an Board lockt uns Backpacker nach Wochenlangem Nudel essen doch zu sehr und wer wird sich denn ein kostenloses Glas Goon entgehen lassen wollen?

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Wuuuha, wir sind wieder online.

Nachdem wir auf unserem Weg von Noosa nach Cairns wegen Überflutungen in Townsville stecken geblieben sind, wo die größte Attraktion (trotz Beschreibung durch Lonely Planet als Stadt mit aktivem Nachtleben und lebendiger Atmosphäre) ein Wasserspielplatz für Kinder ist, schaffen wir es zusammen mit den zwei englischen Richards schließlich vier Tage später doch noch rechtzeitig zum Australia Day unser Ziel zu erreichen. Leider ist auch Cairns nicht ganz vom Wasser verschont geblieben und wie in fast ganz Queensland sind sowohl Telefonleitungen als auch die Internetverbindung tot. Dafür ist der Himmel strahlend blau und es ist fast witzig die ganzen Leite zu beobachten, die hinter den wenigen noch funktionierenden Geldautomaten Schlange stehen, nach dem sie verzweifelt feststellen mussten, dass man nicht nur nicht mehr mit Karte zahlen kann, sondern auch alle Banken dicht gemacht haben… Würde man nicht zu ihnen gehören. (:

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Airlie Beach & Daydream Extreme

Nachdem wir die zwei holländischen angehenden Bänker / Pizzabäcker, die wir in Brisbane kennengelernt haben, auch in Noosa nicht abschütteln können, entschließen wir uns dazu, unsere Reise in den Norden zusammen anzutreten. Nach 16 Stunden Busfahrt ( in denen ich Jehan wieder einmal um die Fähigkeit beneide sich auf kleinstem Platz mehr oder weniger komfortabel zusammenrollen zu können ) erreichen wir Airlie Beach.

Für die meisten Backpacker ist Airlie Beach der Ausgangspunkt für eine der berühmten Segeltouren um die Whitsundays, wir beide entschließen uns aber spontan dazu unsere Einzigartigkeit auch hier auszudrücken, indem wir als einziges nicht Pärchen an einer Jetskitour teilnehmen und uns so einen weiteren großen Traum erfüllen. Nachdem unser Guide zum 20. mal voller Elan betont, dass wir eine EXTREME – Tour gebucht haben und die Wetterbedingungen unseren Ausflug noch spaßiger (für ihn oder für uns? ) machen werden, wird uns zwei absoluten Motor – Laien doch ein bisschen mulmig. Doch als wir 2 Minuten später an kleinen Inseln vorbei über das tiefblaue Meer rasen und uns Wasser und Fahrtwind ins Gesicht peitschen, während wir uns in die Kurven lehnen und wir über Wellen fliegen, können wir uns nicht vorstellen je wieder aufzuhören … bis wir plötzlich im hohen Bogen von unserem Gefährt geschleudert werden. Ist wohl doch was dran am „Frau am Steuer“ (aber immerhin haben wir nicht den ganzen Spaß verpasst, indem wir uns wie alle anderen hinter einem männlichen Fahrer vesteckt haben. )Trotzdem werden wir uns, während wir auf Daydream Island unsere Pause damit verbringen Nemo zu finden, einig, dass wir unser Geld für den Führerschein lieber für einen Jetski einsparen, auch wenn dieser Wunsch am nächsten Tag dank mordmäsigem Muskelkater ein kleines bisschen nachlässt. Aber aufsteigen würden wir sofort wieder.(:

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Fraser Island

Nach ein paar wenig ereignisreichen Tagen in Brisbane, in denen wir versuchen der Hitze zu entkommen in dem wir uns hauptsächlich im Pool aufhalten, erfolglos nach Arbeit suchen und mein iPad geklaut wird, entschliessen wir uns dazu uns eine drei tägige Tour nach Fraser Island zu leisten.

Mit dem Bus geht es am nächsten Morgen nach Noosa, wo wir den Rest unserer multi – kulti zusammengewürfelten Gruppe kennenlernen und einen ziemlich beängstigenden Film über die Gefahren beim Fahren im Sand zu sehen kriegen. So ermutigt steigen wir am nächsten Tag zum ersten Mal in unsere 4Rad Antrieb Fahrzeuge und machen uns auf den Weg zu der kleinen Fähre die zwischen Festland und der größten Sandinsel der Welt hin- und her pendelt und uns von Delfinen begleitet direkt ins Paradis bringt: glasklare Seen und Flüsse, die Wasser führen, das über tausende von Jahren durch unzählige Schichten Sand gefiltert und so zu reinem Trinkwasser wurde, dichte Jungel in denen Pflanzen wachsen, die uns erzählen könnten, wie die Dinosaurier wirklich waren und weite Sanddünen lassen uns die Dingos die während unseren Touren um uns herumstreifen gerne in Kauf nehmen. (Auch wenn so manches Gruppenmitglied an dieser Stelle lautstark protestieren würde (: )

Nachdem unsere 3 fahrwiligen Auto-Team-Mitglieder uns sicher durch die ersten Stunden Strand-Hüpelpisten- und Jungelfahrten bugsieren, lassen wir uns durch das wunderbar klare Wasser des Eli Creek treiben und werden von einer überwältigenden Aussicht vom Indian Head für das erklimmen des gigantischen Felsens belohnt. Weiße Sanddünen erstrecken sich kilometerweit, das Meer leuchet in strahlendem türkis bis tiefblau und bildet einen wunderschönen Kontrast zu dem orang-rot der Felsen. Der Ort strahlt eine solche Magie aus, dass es nicht schwer ist, sich vorzustellen wie die Aborigines auf den Steinen sitzen und Digeridoo spielend mit den vorbeiziehenden Walen kommunizieren.

Nachdem wir von diesem Moment so sehr in den Bann gezogen wurden, können wir uns nur schwer vorstellen, dass die Insel noch mehr zu bieten hat. Doch dann entdecken wir Lake Wobby, einen kleinen See, der dadurch entstanden ist, dass ins Meer fließendes Wasser von einer Sanddüne abgeschnitten wurde und zwischen sich scheinbar endlos erstreckenden weißen Sanddünen tiefgrün in der Sonne strahlt.

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6.1.2013 Blue Mountains

Mit italienischer, kanadischer und philippinischer Begleitung steigen wir nach 2 stündiger Fahrt hoch motiviert aus dem Zug um die Blue Mountains zu erobern… und landen erst mal im Supermarkt. Als schließlich die meisten mit Verpflegung und einige mit packungsweise Toastbrot eingedeckt sind, machen wir uns auf die Suche nach den blauen Bergen. Doch es dauert seine Zeit bis wir schließlich auf die gigantischen Riesen stoßen, die anders als erwartet nicht über uns in den Himmel aufragen, sondern in einer sich weit erstreckenden Schluchtenlandschaft versenkt sind. Glücklicherweise schaffen wir es die erste Seilbahnstation zu übersehen und so wandern wir im Schatten der Eukalyptusbäume die Schluchten hinab, anstatt uns nach einer Talfahrt den Berg wieder hochzuqälen. Trotzdem sind wir nach etlichen steilen Stufen und unzähligen Fotos an Aussichtspunkten so geschafft, dass wir erst einmal eine Pause einlegen. Nach italienischen 10 Minuten, philippinischen 2 Minuten und deutschen 30 Minuten Kriegsbemalung und Vesper/Toastpause geht es weiter vorbei an Wasserfällen, Steinhöhlen und überraschend vielen Deutschen zur (vorallem von philippinischer Seite lang ersehnten) Seilbahnstation. Nach ausgiebiger Inspektion des Souvenirshops ( und einigen Anläufen Jehan davon zu überzeugen, dass sie keinen Cowgirlhut braucht um am Strand Jillaroo zu werden) machen wir uns ( schlussendlich ohne Hut ) auf zur nächsten, wohlverdienten Pause.
Nachdem sie uns das Versprechen abgenommen haben, am nächsten Tag für ein zweites Abschieds – BBQ/Pastaessen zu unserem blauen Haus zu kommen, machen die 3 Jungs sich auf den Rückweg und wir genießen den Luxus einer erfrischenden Dusche in unserem Hostel für die Nacht. Vollkommen erschöpft aber glücklich fallen wir ins Bett und schlafen mit dem Gedanken an den berühmten Lolli Shop in den Blue Mountains ein, indem wir am nächsten Tag, unser durch den ausgeredeten Hutkauf eingesparte Geld, in alles was das (auf dem Papier erwachsenen -) Herz begehrt investieren.

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