Kategorie-Archiv: Neuseeland

24.4. – 30.4. 2013 Abschied vom Kiwiland

In nicht mal einer Stunde geht es für mich los zum Flughafen und es heißt Abschied nehmen vom Kiwiland. Im Moment liege ich noch auf meinem Bett im Yha in Auckland, indem wir so viele Nächte verbracht haben, weil wir auf unser Auto, den Bus oder wie jetzt auf einen Flug gewartet haben, und höre dem Schnarchkonzert von dem Kerl neben mir zu. Es ist nicht nur ein Abschied von Neuseeland, sondern auch vom Reisen mit Jehan, schlecht ausgerüsteten Hostelküchen, knarzenden Stockbetten, müffelnden und zerknautschten Klamotten und dem gesamten Dasein des freien, chaotischen und faszinierenden Backpacker-Daseins. Unsere Reise neigt sich dem Ende zu. Zumindest vorläufig. Flo ist gestern schon nach Fidji vorgeflogen, Jehan hat sich mit Zwischenstopp in Melbourne schon auf den Weg nach Hause gemacht und Jan, den wir hier zusammen mit dem zweiten Flo noch mal getroffen haben, ist ganz früh heute morgen in den Flieger nach Deutschland gestiegen. Bleibe nur noch ich, Mr. Sägewerk und ein Kopf voller Gedanken an die letzten Monate in diesem unglaublich schönen Land.

Von Wellington aus ging es weiter nach Waiheke Island, wo wir uns als Belohnung für die 12 stündige Fahrt erst mal ein richtig leckeres Abendessen in einem kleinen Beach – Restaurant gönnen, dass nur knapp von dem Frühstück am nächsten morgen (Frenchtoast mit Beeren und Eiern und Speck mit fast richtigem Brot) getoppt wird. Man, lassen wir es uns gut gehen. (:
Schneller als wir uns an die viel zu schmalen Betten gewöhnen können, geht es auch schon wieder zurück nach Auckland, eine Stadt, die nicht nur für uns zur Wartestadt geworden ist. Das ganze Hostel ist voll mit deutschen Backpackern, die darauf warten, dass der Tag ihres Abfluges näher rückt und da keiner mehr zu besonderen Aktivitäten motiviert ist, sitzen wir alle eigentlich nur noch an einem großen Tisch und diskutieren die absurdesten Themen von Überwachungsstaaten zu Geldscheinschriftarten. Die Highlights dieser letzten Tage bestehen aus mehreren „letzten“ Malen Essen im Burgerfuel und der großartigen Idee, alle Reste zusammen zuschmeißen und einen Nusskuchen zu backen.

Jetzt geht es also los, zum letzten Teil der Reise. Danke, meine liebe Jehan, dass wir das tatsächlich zusammen durchgezogen haben – Vom Tellerspülen, Eis verkaufen,
Kosten kalkulieren und Reiserouten planen, zu der wirklichen Umsetzung unserer „kleinen“ Weltreise. Danke, für diese ganzen verrückten, unglaublichen und einfach unbeschreiblichen Momente, die wir zusammen erlebt haben und sicher nicht so schnell vergessen werden.

Und auch wenn es eigentlich noch 4 Wochen zum tatsächlichen Ende dieser Reise sind, möchte ich mich, weil jetzt doch der größte Teil, das Backpacker-Leben, zu Ende geht, bei allen bedanken die mich/uns auf Teilen dieser Reise begleitet haben und sie dadurch zu dieser unvergesslichen Erfahrung gemacht haben. Vor allem natürlich auch bei dir, Flo, für die Momente, die schon vorbei sind und für die, die in Hawaii noch kommen werden und bei allen zu Hause, die diese Reise erst möglich gemacht haben, mich unterstützt haben und durch die ich immer ein kleines Stückchen zu Hause dabei hatte.

Jetzt aber genug der Sentimentalität, los geht’s zum Flughafen, der Sonne entgegen.

20130503-222039.jpg

15. – 25.4.2013 Zwischen Hobbits, Orks und Op-Shops

Nachdem wir uns (zumindest für die Dauer unserer Reise) nach einem Pfannkuchen-Festmahl endgültig von den Kevins verabschieden, geht es für uns 3 weiter in den Süden nach Rotorua. Als wir aus dem Bus klettern und uns auf dem vom anhaltenden Regen grauen Parkplatz umsehen, steigt uns ein penetranter Gestank nach faulen Eiern entgegen. Zumindest wissen wir jetzt, dass wir an der richtigen Haltestelle ausgestiegen sind, denn der von Rotoruas berühmten Quellen aufsteigender Schwefelgeruch lässt (leider) keinen Platz für Zweifel.
Nach einer Nacht in einem der Bezeichnung „Zimmer“ nicht gerecht werdenden Mini-Raum, in den auf uns unerklärliche Weise 2 Hochbetten gequetscht wurden, bin selbst ich ( die es geschafft hat bei allen Herr der Ringe Filmen inklusive des Hobbits einzuschlafen ) froh, als wir am nächsten Morgen zu einer Tour nach Hobbiton abgeholt werden.
Trotz des schlechten Wetters und meiner (Flo und Jehan zu folge) Ignoranz für die Herr der Ringe Welt, ist es doch spannend über das Filmset zu laufen, sich in die Hobbitlöcher zu quetschen und von Tricks wie eingeflogenen Schafen und Bäumen aus Metall zu erfahren. Selbst ich erwarte fast das uns auf diesem Stückchen neuseeländischem Farmland gleich ein Hobbit über die saftig grünen Hügel entgegengelaufen kommt um im grünen Drachen ein Glas Gingerbeer mit uns zu trinken. Ein bisschen aufgeweicht aber trotzdem begeistert über unseren Ausflug kommen wir abends wieder in Rotorua an und probieren gebrannte Mandeln und unsere erste Brezel seid Monaten auf einem kleinen Nachtmarkt.

Um uns eines der für Touristen nachgebauten Maori – Dörfer anzuschauen, fehlt es bei uns allen etwas an der Motivation und so verbringen wir den Abend in unserem gemütlichen Abstellkämmerchen damit, uns über innere Göttinnen in 50 Shades of Grey ( Wir sind uns immer noch nicht ganz sicher ob es sich dabei tatsächlich um eine Wissenslücke handelt, die gefüllt werden musste ) aufzuregen, während wir erfolglos versuchen uns an den, durch die Fensterspalte wabernden Geruch zu gewöhnen und lassen den Blick über unsere künstlerische Anordnung aus Rucksäcken, Klamotten, Postkarten und allem was noch zu dem Chaos gehört, das sich aufhaltslos über unseren Boden auszubreiten scheint, schweifen. Ach wie schön ist doch das Backpacker – Leben.
Auch in Taupo, unserem nächsten Stopp, will der Regen einfach nicht nachlassen und so hangeln wir uns von Op-Shop zu Op-Shop und es bleibt bei einem kurzen Blick auf den, bei Sonnenschein wohl wunderschönen Lake Taupo, an dem heute nur ein paar zähe Hobbygolfer versuchen das 1.000.000 $ Loch auf einem Floss im Wasser zu treffen. Doch die große Küche und unser exklusives Zimmer ( ein „privates – 3 – Bett – Schlafsaal – Zimmer IN einem 8 – Bett – Schlafsaal, für das wir auch nur den Preis des großen Schlafsaals zahlen ) entschädigen uns ein bisschen und und Backpacker lassen sich nun mal nicht unterkriegen.

Weiter geht es nach Wellington, wo Flo weiter in Secondhand-Läden nach dem ultimativen Stuhl sucht und wir abends unser lang geplantes Bowling-Match umsetzen, bei dem Jehan und ich uns leider geschlagen geben müssen. Am nächsten Tag beschliessen wir etwas für unseren Kopf zu tun und so gelangen wir ins Tepapa Museum, ein gigantisches Museum, von dem wir leider nur den untersten Teil mit Erdbeben Simulationen und Sicherungsspielen schaffen, bevor wir zu unserer nächsten Tour – wieder Herr der Ringe – abgeholt werden. Die Schauplätze der Filme sind in ganz Neuseeland verstreut, doch die Studios befinden sich in Wellington und wir sind alle gespannt, was uns in diesen Räumen erwarten wird. Doch wie es sich herausstellt, dürfen wir gar nicht in die Studios, weil dort rund um die Uhr gearbeitet wird und fahren zu einigen der Schauplätzen in den Wäldern von Wellington. Auch wenn wir etwas enttäuscht sind, nichts darüber zu erfahren, wie die Filme gedreht werden, haben wir schließlich doch unseren Spaß dabei im Dreck zu liegen um Szenen ( die mir Banause nicht einmal bekannt vorkommen ) am Original Schauplatz nachzustellen.

20130503-093221.jpg

8.4. – 14.4.2013 Von Sanddünen, heißen Quellen und eisigen Wasserfällen

Mit Jehan, die für unsere letzten 3 Wochen ins Land der Kiwis nachgeflogen kam, im Schlepptau, treten wir von unserem sonnigen Zuhause der letzten Woche aus eine Tagestour zum Cape Reinga, der Nordspitze Neuseelands an. Nach äußerst ausführlichem kōreo (maori für Gespräch) mit unserem stolzen Guide über die wunderbaren Bäume Neuseelands umarmen wir bei unserem ersten Stopp den größten Baum des Landes und noch allerlei anderes hochgewachsenes Gewächs, nur um sicher zu gehen genug Liebe von der Natur aufzusammeln.
Anschließend macht sich die Unsportlichkeit der Backpacker-Zeit unsanft bemerkbar, als wir uns langsam zur Spitze goldgelber Sanddünen quälen, um danach in Sekundenschnelle dem Boden auf unseren Body Boards entgegen zu „surfen“. Nachdem Jehan und Ich verständnislos zuschauen wie Flo wieder und wieder zur Spitze stapft und unsere Beine in der Sonne ausstrecken, geht es weiter zu einem wunderschönen Strand, an dem das im Sonnenlicht grün und blau funkelnde Meerwasser so klar ist, dass man den feinen Sand am Grund sehen kann.
Unser letzter Stop ist das Lighthouse von Cape Reinga, von dem man beobachten kann wie das Wasser des Pazifischen Ozeans auf die Tasmansee trifft oder in unserem Fall die Zeit für Fotos in Haka-Posen ( der traditionelle Tanz der Maori, der Unvorbereiteten ganz schön Angst einjagen kann ) nutzen, bevor wir am 90miles Beach entlang wieder Richtung Paihia brettern.

Am nächsten Tag verabschieden wir uns endgültig von der kleinen Stadt und fahren weiter nach Whitianga, wo wir eine ganze kleine Wohnung für uns haben und das erst Mal mit jeder Menge selbstpanierter Schnitzel feiern. So vollgestopft beschließen wir dem Hot Water Beach nochmal eine Chance zu geben ( der bei unserem letzten Besuch schon wieder von der Flut überschwemmt war ) und nehmen einen kleinen Shuttle Bus, der uns jedoch zu erst am Cathedral Cave ausspuckt. 45 Minuten auf einem Wanderweg, der grasgrüne Hügel, die an schweizer Land-Idylle erinnern von steinigen Felsen und einem unglaublichen Ausblick auf das tiefblaue Meer trennt, später, bringt uns Neuseeland einmal wieder zum staunen: Durch einen großen steinernen Bogen im Felsen gelangen wir zu einer kleinen Bucht mit weißem Sandstrand, in der das türkisblaue Meerwasser an zackig aus dem Wasser ragenden Kalksteinfelsen bricht. Die Sonne strahlt und bringt das aufgeschäumte Wasser zum glitzern.
Nach einer Schokomuffin – und Zehen-in-Sand-bohr-Pause an diesem wunderschönen Ort treten wir den Rückweg an und weiter geht es zum Hot Water Beach. An dem bei Ebbe breiten Sandstrand sprudelt an zwei Stellen heißes Quellwasser aus dem Boden und als wir den Strand erreichen ist er besiedelt von Menschen die mit kleinen Spaten im Sand stochern oder schon
eng aneinander gedrängt in ausgebuddelten Löchern im dampfenden Wasser sitzen. Wir betrachten einen Moment die absurde Situation und stürzen uns dann auf der Suche nach einem geeigneten Stückchen Strand ins Getümmel. Schließlich bauen wir gemeinsam mit zwei neuseeländischen Rentnern im Badeoutfitt einen flachen Pool direkt an einem kleinen Bach aus 60 grad heißem Wasser, das sich seinen Weg aus der Quelle ins Meer sucht und können so immer frisches Wasser in unser Becken leiten. Nach dem wir halb gar und von oben bis unten sandig sind und das Buddel-Event als absolut klasse erklärt haben, geht es mit Zwischenstopp bei einem Kiwi der uns mit zahlreichen Wein und Likörproben und Witzen überrumpelt zurück nach Whitianga.

Unser nächster Stop auf der Nordinsel ist Tauranga, wo wir wieder einmal auf die beiden Kevins treffen und uns zu 5. zu den Kaiate Falls aufmachen. Obwohl das Wetter es heute nicht gut mit uns meint springen wir von einem Felsen direkt neben dem Wasserfall in das eiskalte Wasser und wärmen uns anschließend mit den bis jetzt unübertroffenen Burgern bei Burger Fuel auf.

20130415-102037.jpg

20.03. – 01.04.2013 von Takaka nach Paihia

Nach dem der Himmel sich endlich entschieden hat genug Wasser vergossen zu haben, machen wir uns auf den Weg zum Abel Tasman Park – natürlich ohne uns vorher zu informieren, denn auf der Südinsel gibt es sowieso oft nicht mehr als seine Straße und eines der braunen Schilder das den Weg zum Park weist, haben wir schon auf dem Weg nach Takaka entdeckt. Wir folgen dem Schild und landen auf einer unbefestigten Straße, einer Mischung aus Schotterpiste und festgefahrener Erde, die sich ohne sichtbares Ende nach unten schlängelt. Nach einigen Ausweichmanövern um nicht von freilaufenden Schafen, tiefliegenden Vögeln oder entgegenkommenden Autos abgedrängt zu werden, landen wir nach einer gefühlten Stunde auf einem Parkplatz am Waldrand.
Ein Schild versichert uns, dass wir tatsächlich den Abel Tasman Park gefunden haben und so entscheiden wir uns für einen der abgehenden Wanderwege und brechen auf. Nach zwei Schritten zwischen die Bäume befinden wir uns in einer anderen Welt. Der Wald wird durch hochgewachsene, schlanke Bäume in ein grau – grünes Licht getaucht, vereinzelt hört man Vogelstimmen und das entfernte Plätschern von Wasser, doch ansonsten ist es vollkommen still. Je weiter wir uns von dem Parkplatz entfernen, desto kälter wird es. Und das spiegelt sich in der ganzen seltsamen Atmosphäre wieder: wir befinden uns inmitten eiskalter Schönheit.
Einem weiteren Schild zu folge erreichen wir nach 50 Minuten laufen oder besser gesagt klettern über große Steine und kleine Felsbrocken eine gigantische Felswand, die zusammen mit übereinandergeschichteten Felsbrocken ein riesiges Loch umschließt.
Während wir Kekse essen und über den Abgrund schauen wird uns klar, dass wir uns möglicherweise doch über den Abel Tasman Park hätten informieren sollen, denn auch wenn das gigantische Loch ein interessanter Anblick ist, fehlt jede Spur von Karibik gleichen Buchten, weißen Sandstränden und Delfinen. Nach dem wir begreifen, dass wir bei den Inland Tracks des Abel Tasman Park gelandet sind beschließen wir, nachdem wir in der Nacht noch einen unglaublichen Sternenhimmel bestaunen können, am nächsten Tag nicht auf der Suche nach dem tatsächlichen Park herumzufahren, sondern uns auf den Weg zur Nordinsel und der Sonne zu machen.
Und tatsächlich bekommen wir noch spontan einen Platz auf der nächsten Fähre von Picton nach Wellington und legen noch am gleichen Abend auf der Nordinsel an.

Da die meisten Backpacker im März oder April das Land wieder verlassen um dem Winter in Neuseeland zu entkommen und in den Frühling zu Hause zu fliegen, ist unser nächstes Ziel nach einigen Tagen in Welligton Auckland, um noch möglichst viel für unser treues Auto zu bekommen. Ich kann meinen Augen kaum trauen, als wir uns Auckland nähern und die Straßen plötzlich 4 – spurig werden. Nach einem Monat auf Landstraßen und Schotterpisten erinnern uns die Straßen das erste Mal wieder entfernt an die Autobahnen zu Hause. Nach knapp 2 Wochen und einem Besuch des Hot Water Beach finden wir tatsächlich einen Käufer und nehmen den nächsten Bus Richtung Nordspitze. Obwohl es nach der Südinsel eine schöne Abwechslung war, sich wieder einmal in einer großen Stadt zu befinden und der Hafen mit all seinen gigantischen und wunderschönen Segelbooten uns immer wieder zum staunen gebracht hat und ich feststellen durfte, dass selbst der FergBurger in Queenstown noch zu toppen ist, freuen wir uns doch wieder der Hektik der Großstadt zu entkommen.

In Paihia, einem kleinen Ort an der Ostküste des Northlands in der Bay of Isands, gelingt uns das wunderbar. Obwohl uns der Regen auch hier nicht verschont, genießen wir eine Woche an dem wunderschönen rötlichen Sandstrand, segeln zwischen den Inseln hin und her, und lernen eine Menge netter Leute kennen, mit denen wir unser Gleichgewichtsgefühl auf der Slackline testen und unzählige runden Shithead spielen.

20130409-090212.jpg

11.3. – 19.3.2013 Weiter in den Norden

Nach 2 Tagen Pause in einem wunderschönen weißen Haus in Westport mit weniger schönen oder erholungsfördernden nächtlichen Schnarchkonzerten unserer Hostelmitbewohner und einem Ausflug in ein etwas seltsames 3D -Kino, entschließen wir uns dazu die Stadt hinter uns zu lassen und der letzten Straße soweit wie möglich die Westküste entlang in den Norden zu folgen. Diese letzte mehr oder weniger befahrbare Strasse bringt uns nach Karamea, wo wir für einen Moment anhalten um das Meer zu bewundern – und promt im sandigen Untergrund stecken bleiben. Nach unzähligen unerfolgreichen Ausbuddel-Versuchen, bei denen sich die Reifen unseres treuen Autos immer tiefer in den Sand graben, kommt plötzlich Hilfe in Form von zwei Straßenarbeitern mit Abschleppseil angefahren und wir werden ohne viele Umschweife ruckzuck wieder auf festen Untergrund gezogen.
Über endlose kurvige Schotterpisten geht es weiter bis zu einem Campingplatz direkt am Meer und erleichtert parken wir mit Blick auf den weiten Horizont und machen uns nach einem kurzen Erkundungsgang daran uns etwas einzurichten. Doch nach einer halben Stunde müssen wir uns trotz 2 verschiedenen Insektensprays geschlagen geben – von oben bis unten mit Sandflies bedeckt treten wir die Flucht zurück über die Schotterpiste an. Nachdem wir unsere Fahrt nocheinmal unterbrechen müssen, weil eine komplette Rinderherde gemächlich vor unserem Auto die „Straße“ überquert, fahren wir den ganzen Weg zurück nach Greymouth und finden dort einen Freedom Campingplatz wo wir nach einem langen und anstrengendem Tag endlich unser Bett aufbauen können.
Am nächsten Tag ist das erste, was wir durch den Nebel sehen, ein Strafzettel über 200 NZD – in der Dunkelheit haben wir übersehen, dass man einen Aufkleber am Auto braucht, der bestätigt, dass mein seine eigene Toilette dabei hat. Nach dieses Ereignissen hat es uns erst einmal die Lust an der Westküste verdorben und so fahren wir über den Arthur’s Pass nach Christchurch um nochmals zum Kevin – Mobil aufzuholen und dort ein paar Nächte auf einem, dieses mal tatsächlich, freien Parkplatz direkt am Strand zu übernachten. Morgens werden wir von einem wunderschönen Sonnenaufgang über dem Meer oder den Kevins geweckt, die uns zu den besten Chai Lattes, die ich je getrunken habe, in einem kleinen Cafe abholen und in der Bücherrei direkt neben uns gibt es unbegrenzt freies Internet und Strom. So motiviert schaffen wir es sogar einmal am Strand joggen zu gehen und die Tatsache, dass es nur die Auswahl zwischen eiskalter Dusche und auch nicht viel wärmerem Meer gibt gerne hinzunehmen. Über Kaikoura und Blenheim geht es anschließend immer weiter in den Norden und durch die erfolgslose Suche nach einem freien Hostel in Picton und Nelson landen wir schneller als gedacht noch am gleichen Abend in Havelock und haben so innerhalb weniger Stunden die Nordspitze erreicht. Von den Gedanken an die wärmere Nordinsel angetrieben, machen wir uns am nächsten Tag schon auf den Weg Richtung Abel Tasman Park, unserem letzten Ziel auf der Südinsel. Doch der Wetterbericht der nächsten Tage steigert die Aussicht auf mehrere Nächte im Auto nicht besonders und so verkriechen wir uns erst einmal mit der zweiten Staffel Walking Dead in einem Hostel in Takaka und warten darauf, dass der Regen aufhört.

20130320-111513.jpg

29.2. – 10.3.2013 Johoho und ne Buddl voll Rum

Nachdem wir uns von dem wunderschönen Strand von Monkey Island verabschiedet haben, geht es mit Stopp an den Seen Monowai und Mavora und dem unvergesslichen Ereignis einer 37 km langen Schotterfahrt inklusive ausgebrochener Kühe und einer ganzen Menge Staub, wieder zurück nach Queenstown. Hier schaffen wir es gleich nochmal uns mit den beiden Kevins zu treffen – Ein Treffen das, wer hätte es nicht gedacht, mal wieder in einem Essens-Rekord ausartet und so vernichten wir mit Verstärkung von des einen Kevins Eltern und zum Erstaunen der gesamten Bedinung 3 Pizzen mit dem Umfang eines Hula-Hoop-Reifens. Danach ist, zumindest für mich, auch schon für das Frühstück am nächsten Tag gesorgt und so machen wir uns mit dem Hörbuch der Schatzinsel im Ohr am nächsten Morgen auf nach Alexandra. Nach dem unfassbaren Luxus eines heissen Wirpools für nur 4$ im Schwimmbad von Alexandra treffen wir auf unserem nächsten Campingplatz einen Mann, der uns seine Geschichte erzählt, die Flo unter Einfluss der Schatzinsel ermutigt an eine Zukunft als Pirat zu glauben und mich davon überzeugt, dass zumindest im Land der Kiwis, alles möglich ist.

„Mit meinem Segelboot segelte ich die Küste von Neuseeland auf und ab, das gefiel mir ziemlich gut, denn ich bin leidenschaftlicher Segler und um Neuseeland lässt es sich wirklich sehr gut segeln. Die Küste, die ich vom Wasser aus sah, gefiel mir sehr gut, aber ich sah sie eben nur von weitem. Ich beschloss, dass ich sie gerne mehr im Detail sehen wollte und so lernte ich einen Helikopter zu fliegen. Das Fliegen gefiel mir sehr gut und so verkaufte ich mein Boot und kaufte einen Helikopter. Doch irgendwann wollte ich das Land, das ich sah, mehr im Detail sehen und so landete ich und kaufte mir ein Stück Land. Dann dachte ich, wenn ich ein Stück Land habe, kann ich auch ein paar Tiere darauf stellen. Und so kaufte ich ein paar Tiere und wurde Farmer. Doch jetzt überlege ich, ob ich mein Land nicht wieder verkaufen soll um mir ein Segelboot zu kaufen.“

Mit dieser Geschichte im Kopf geht es weiter bis nach Wanaka, wo wir in der Puzzling World von optischen Täuschungen verwirrt werden und (fast) heldenhaft den Ausgang des großen Labyrinths finden. Über Fox Glacier und Franz Josef geht es mit einer atemberaubenden Bergkulisse weiter nach Okarito wo wir spontan ein Kajak mieten und durch eine wunderschöne Lagune vorbei an unzähligen Vogel-und Pflanzearten paddeln. Zwar noch kein Piratenschiff, aber zumindest mal ein Anfang. Nach Hokitika, wo wir eine Fish & Chips (bzw für mich Potatowedges mit Chilli und Sourcreme- yammi) Pause am Meer einlegen landen wir an einem sich ins endlose erstreckenden Steinstrand hinter Greymouth.

Durch die letzten Tage piratisch sehr geprägt, (denn nach der Schatzinsel folgte Jim Knopf und die Wilde 13 (: ) sticht uns plötzlich ein goldenes Funkeln am Wasser ins Auge und den einsamen Goldgräber von Monkey Island als Vorbild nehmend, sammeln wir fleissig den mit Sand gemischten Goldstaub ein. Wie wir den Staub jetzt vom Sand trennen sollen und ob es sich überhaupt um Gold handelt ist uns ein Rätsel, aber zumindest machen wir schon fast Captain Jack Sparrow Konkurrenz : Wir haben eine Tüte voll Dreck!
Nach dieser erfolgreichen Entdeckung und einem Hotdog Picknick bei Sonnenuntergang geht es am nächsten morgen auch schon weiter nach Westport und damit haben wir schon fast den Norden der Südinsel erreicht.

20130311-093955.jpg

17.2. – 28.02 : 3.2.1. – Neuseeland

Das Plätschern des kleinen Flusses neben mir wird fast durch das gleichmäßige Rauschen des Meeres überdeckt, die letzen Sonnenstrahlen bringen die rot gelben Sandsteinwände zum leuchten und lassen die sich dahinter erstreckenden Hügel in einem saftigen grün erstrahlen.
Eigentlich wollten wir nach Te Anau – gelandet sind wir an einem wunderschönen sich scheinbar endlos erstreckenden Sandstrand mit einem Steinhaufen (unseren Laienhaften Schnupper-Untersuchungen zu folge handelt es sich um einen Berg aus Vulkanstein) der sich Monkey Island nennt und unbeschreibliche Ausblicke auf das weite Meer ermöglicht.

Schon bei meinem Inlandsflug von der Nord- zur Südinsel hat mich Neuseeland in seinen Bann gezogen: Schwarze Berge, deren schneebedeckte Spitzen zwischen einem Wolkenmeer glitzern, sind das Erste was ich von der Südinsel zu sehen bekomme. Als ich nach der Landung aus dem Flugzeug klettere, bin ich so überwältigt davon, wie nah sich die Berge um den Flughafen herum aus dem Boden erheben, dass ich fast über meine eigenen Füße stolpere. Doch als ich durch die Tür zur Eingangshalle geschoben werde, verschwinden die Berge ganz schnell wieder aus meinem Kopf: Endlich kann ich meinen Flo wieder in die Arme schließen. Und im Gegensatz zu unserem Treffen in Australien wird er mich erst mal nicht mehr so schnell los, denn wir werden die nächsten 2 ½ Monate zusammen durch das Land der Kiwis reisen. (:

Viel Zeit um mich an meinen Landwechsel zu gewöhnen bleibt mir nicht, denn schon am nächsten Morgen geht es dick eingemummelt ( Ja, eine lange Hose und zwei Pullis sind nach fast 5 Monaten Hochsommer eine Menge! ) mit Flos Vater und Schwester von Queenstown aus zum Milford Sound. Und wieder komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Wir fahren mit einem Boot durch tiefblaues Meerwasser zwischen steil aufragenden Bergen hindurch so nahe an Wasserfälle heran, dass wir nass werden und ich bekomme meine ersten freilebenden und wirklich ganz echten Seelöwen zu sehen.

Die nächsten Tage in Queenstown verbingen wir damit unser erstandenes Auto auszurüsten, was hauptsächlich Hin- und Hergefahre bedeutet, da Queenstown zwar eine wunderschöne Stadt ist, es aber an Baumärkten und fachkundiger Beratung ( das eine Säge möglicherweise sägt, da es ja eine Säge ist, haben wir uns schon fast schon gedacht(: ) leider mangelt. Die Zeit, die wir nicht auf der Jagd nach Holzbrettern, Gaskatuschen oder Matratzen verbringen, nutzt Flo für den Bau unseres Bettes und ich für ein neues Design für unser Fahrzeug. (Der ganze Campingplatz scheint Wetten über meine künstlerischen Fähigkeiten abzuschließen, zumindest lassen die neugierigen Blicke und die positiv überraschten Reaktionen über das Endergebnis darauf schließen)
Nach 5 Tagen werkeln, fahren, malen, Geld ausgeben, zu vielen Pausen bei Mc Donalds (sag das bloß nicht meinem Papa) morgendlichen Kälteschocks im wunderschönen Gletschersee neben unserem Campingplatz und dem besten Burger aller Zeiten zusammen mit den Kevins, geht es weiter Richtung Süden.

In Colac Bay schlafen wir das erste Mal direkt am Meer und können uns am nächsten Morgen nicht an der aufgehenden Sonne satt sehen, die den Steinstrand in goldenes Licht taucht – bis wir plötzlich von einem riesigen Schwarm Sandflies zur überstürzten Flucht gezwungen werden.

Weiter geht es Richtung Invercargill, wo wir hoffen endlich unser 80-cm-Matratzen-Problem lösen zu können. Nachdem wir nach stundenlanger Suche in Hardwarestores, Campingläden und Opp Shops in einen Stapel Liegestuhlmatten im Sonderangebot laufen, kehren wir total erschöpft mit unserer Beute zurück und polstern erstmal unseren Kofferraum aus.
Da sich die, so simpel klingende, Aufgabe, ein als Schlafunterlage geeignetes Material zu finden, als fast unlösbar heraus gestellt hat, beschließen wir eine Nacht auf einem kleinen Campingplatz in Invercargill zu verbringen. Nach dem Luxus einer heißen Dusche klettern wir in unser neues Bett und können den Komfort den unser Auto mittlerweile erreicht hat, fast nicht fassen. (Wir haben sogar eine kleine Deckenlampe über dem Bett!!)
Unser nächster Stopp ist Bluff, eine winzige Stadt, die aber der südlichste Punkt von Neuseeland ist und mit ihrem berühmten Wegweiser bekannt geworden ist. Einen Besuch ist unbedingt auch die sprechende Toilette wert, die einen freundlich darauf hinweist, wie lange man noch Zeit hat, bevor sich die Tür automatisch wieder öffnet um die Öffentlichkeit an den Geschäften teilhaben zu lassen.
Vor allem nachts wird es doch immer frösteliger und die von innen beschlagenen Autoscheiben nähern sich schon fast der Frostgrenze, deswegen ist unser Plan über Te Anau und Queenstown dem hoffentlich wärmeren Wetter Richtung Norden entgegen zu fahren. Doch als zwischen endlosen Hügeln und Schaafherden plötzlich ein Wegweiser zu Monkey Island auftaucht, fahren wir nicht zum ersten Mal von der Hauptstrasse ab…

20130301-110536.jpg

20130301-110605.jpg