8.4. – 14.4.2013 Von Sanddünen, heißen Quellen und eisigen Wasserfällen

Mit Jehan, die für unsere letzten 3 Wochen ins Land der Kiwis nachgeflogen kam, im Schlepptau, treten wir von unserem sonnigen Zuhause der letzten Woche aus eine Tagestour zum Cape Reinga, der Nordspitze Neuseelands an. Nach äußerst ausführlichem kōreo (maori für Gespräch) mit unserem stolzen Guide über die wunderbaren Bäume Neuseelands umarmen wir bei unserem ersten Stopp den größten Baum des Landes und noch allerlei anderes hochgewachsenes Gewächs, nur um sicher zu gehen genug Liebe von der Natur aufzusammeln.
Anschließend macht sich die Unsportlichkeit der Backpacker-Zeit unsanft bemerkbar, als wir uns langsam zur Spitze goldgelber Sanddünen quälen, um danach in Sekundenschnelle dem Boden auf unseren Body Boards entgegen zu „surfen“. Nachdem Jehan und Ich verständnislos zuschauen wie Flo wieder und wieder zur Spitze stapft und unsere Beine in der Sonne ausstrecken, geht es weiter zu einem wunderschönen Strand, an dem das im Sonnenlicht grün und blau funkelnde Meerwasser so klar ist, dass man den feinen Sand am Grund sehen kann.
Unser letzter Stop ist das Lighthouse von Cape Reinga, von dem man beobachten kann wie das Wasser des Pazifischen Ozeans auf die Tasmansee trifft oder in unserem Fall die Zeit für Fotos in Haka-Posen ( der traditionelle Tanz der Maori, der Unvorbereiteten ganz schön Angst einjagen kann ) nutzen, bevor wir am 90miles Beach entlang wieder Richtung Paihia brettern.

Am nächsten Tag verabschieden wir uns endgültig von der kleinen Stadt und fahren weiter nach Whitianga, wo wir eine ganze kleine Wohnung für uns haben und das erst Mal mit jeder Menge selbstpanierter Schnitzel feiern. So vollgestopft beschließen wir dem Hot Water Beach nochmal eine Chance zu geben ( der bei unserem letzten Besuch schon wieder von der Flut überschwemmt war ) und nehmen einen kleinen Shuttle Bus, der uns jedoch zu erst am Cathedral Cave ausspuckt. 45 Minuten auf einem Wanderweg, der grasgrüne Hügel, die an schweizer Land-Idylle erinnern von steinigen Felsen und einem unglaublichen Ausblick auf das tiefblaue Meer trennt, später, bringt uns Neuseeland einmal wieder zum staunen: Durch einen großen steinernen Bogen im Felsen gelangen wir zu einer kleinen Bucht mit weißem Sandstrand, in der das türkisblaue Meerwasser an zackig aus dem Wasser ragenden Kalksteinfelsen bricht. Die Sonne strahlt und bringt das aufgeschäumte Wasser zum glitzern.
Nach einer Schokomuffin – und Zehen-in-Sand-bohr-Pause an diesem wunderschönen Ort treten wir den Rückweg an und weiter geht es zum Hot Water Beach. An dem bei Ebbe breiten Sandstrand sprudelt an zwei Stellen heißes Quellwasser aus dem Boden und als wir den Strand erreichen ist er besiedelt von Menschen die mit kleinen Spaten im Sand stochern oder schon
eng aneinander gedrängt in ausgebuddelten Löchern im dampfenden Wasser sitzen. Wir betrachten einen Moment die absurde Situation und stürzen uns dann auf der Suche nach einem geeigneten Stückchen Strand ins Getümmel. Schließlich bauen wir gemeinsam mit zwei neuseeländischen Rentnern im Badeoutfitt einen flachen Pool direkt an einem kleinen Bach aus 60 grad heißem Wasser, das sich seinen Weg aus der Quelle ins Meer sucht und können so immer frisches Wasser in unser Becken leiten. Nach dem wir halb gar und von oben bis unten sandig sind und das Buddel-Event als absolut klasse erklärt haben, geht es mit Zwischenstopp bei einem Kiwi der uns mit zahlreichen Wein und Likörproben und Witzen überrumpelt zurück nach Whitianga.

Unser nächster Stop auf der Nordinsel ist Tauranga, wo wir wieder einmal auf die beiden Kevins treffen und uns zu 5. zu den Kaiate Falls aufmachen. Obwohl das Wetter es heute nicht gut mit uns meint springen wir von einem Felsen direkt neben dem Wasserfall in das eiskalte Wasser und wärmen uns anschließend mit den bis jetzt unübertroffenen Burgern bei Burger Fuel auf.

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20.03. – 01.04.2013 von Takaka nach Paihia

Nach dem der Himmel sich endlich entschieden hat genug Wasser vergossen zu haben, machen wir uns auf den Weg zum Abel Tasman Park – natürlich ohne uns vorher zu informieren, denn auf der Südinsel gibt es sowieso oft nicht mehr als seine Straße und eines der braunen Schilder das den Weg zum Park weist, haben wir schon auf dem Weg nach Takaka entdeckt. Wir folgen dem Schild und landen auf einer unbefestigten Straße, einer Mischung aus Schotterpiste und festgefahrener Erde, die sich ohne sichtbares Ende nach unten schlängelt. Nach einigen Ausweichmanövern um nicht von freilaufenden Schafen, tiefliegenden Vögeln oder entgegenkommenden Autos abgedrängt zu werden, landen wir nach einer gefühlten Stunde auf einem Parkplatz am Waldrand.
Ein Schild versichert uns, dass wir tatsächlich den Abel Tasman Park gefunden haben und so entscheiden wir uns für einen der abgehenden Wanderwege und brechen auf. Nach zwei Schritten zwischen die Bäume befinden wir uns in einer anderen Welt. Der Wald wird durch hochgewachsene, schlanke Bäume in ein grau – grünes Licht getaucht, vereinzelt hört man Vogelstimmen und das entfernte Plätschern von Wasser, doch ansonsten ist es vollkommen still. Je weiter wir uns von dem Parkplatz entfernen, desto kälter wird es. Und das spiegelt sich in der ganzen seltsamen Atmosphäre wieder: wir befinden uns inmitten eiskalter Schönheit.
Einem weiteren Schild zu folge erreichen wir nach 50 Minuten laufen oder besser gesagt klettern über große Steine und kleine Felsbrocken eine gigantische Felswand, die zusammen mit übereinandergeschichteten Felsbrocken ein riesiges Loch umschließt.
Während wir Kekse essen und über den Abgrund schauen wird uns klar, dass wir uns möglicherweise doch über den Abel Tasman Park hätten informieren sollen, denn auch wenn das gigantische Loch ein interessanter Anblick ist, fehlt jede Spur von Karibik gleichen Buchten, weißen Sandstränden und Delfinen. Nach dem wir begreifen, dass wir bei den Inland Tracks des Abel Tasman Park gelandet sind beschließen wir, nachdem wir in der Nacht noch einen unglaublichen Sternenhimmel bestaunen können, am nächsten Tag nicht auf der Suche nach dem tatsächlichen Park herumzufahren, sondern uns auf den Weg zur Nordinsel und der Sonne zu machen.
Und tatsächlich bekommen wir noch spontan einen Platz auf der nächsten Fähre von Picton nach Wellington und legen noch am gleichen Abend auf der Nordinsel an.

Da die meisten Backpacker im März oder April das Land wieder verlassen um dem Winter in Neuseeland zu entkommen und in den Frühling zu Hause zu fliegen, ist unser nächstes Ziel nach einigen Tagen in Welligton Auckland, um noch möglichst viel für unser treues Auto zu bekommen. Ich kann meinen Augen kaum trauen, als wir uns Auckland nähern und die Straßen plötzlich 4 – spurig werden. Nach einem Monat auf Landstraßen und Schotterpisten erinnern uns die Straßen das erste Mal wieder entfernt an die Autobahnen zu Hause. Nach knapp 2 Wochen und einem Besuch des Hot Water Beach finden wir tatsächlich einen Käufer und nehmen den nächsten Bus Richtung Nordspitze. Obwohl es nach der Südinsel eine schöne Abwechslung war, sich wieder einmal in einer großen Stadt zu befinden und der Hafen mit all seinen gigantischen und wunderschönen Segelbooten uns immer wieder zum staunen gebracht hat und ich feststellen durfte, dass selbst der FergBurger in Queenstown noch zu toppen ist, freuen wir uns doch wieder der Hektik der Großstadt zu entkommen.

In Paihia, einem kleinen Ort an der Ostküste des Northlands in der Bay of Isands, gelingt uns das wunderbar. Obwohl uns der Regen auch hier nicht verschont, genießen wir eine Woche an dem wunderschönen rötlichen Sandstrand, segeln zwischen den Inseln hin und her, und lernen eine Menge netter Leute kennen, mit denen wir unser Gleichgewichtsgefühl auf der Slackline testen und unzählige runden Shithead spielen.

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11.3. – 19.3.2013 Weiter in den Norden

Nach 2 Tagen Pause in einem wunderschönen weißen Haus in Westport mit weniger schönen oder erholungsfördernden nächtlichen Schnarchkonzerten unserer Hostelmitbewohner und einem Ausflug in ein etwas seltsames 3D -Kino, entschließen wir uns dazu die Stadt hinter uns zu lassen und der letzten Straße soweit wie möglich die Westküste entlang in den Norden zu folgen. Diese letzte mehr oder weniger befahrbare Strasse bringt uns nach Karamea, wo wir für einen Moment anhalten um das Meer zu bewundern – und promt im sandigen Untergrund stecken bleiben. Nach unzähligen unerfolgreichen Ausbuddel-Versuchen, bei denen sich die Reifen unseres treuen Autos immer tiefer in den Sand graben, kommt plötzlich Hilfe in Form von zwei Straßenarbeitern mit Abschleppseil angefahren und wir werden ohne viele Umschweife ruckzuck wieder auf festen Untergrund gezogen.
Über endlose kurvige Schotterpisten geht es weiter bis zu einem Campingplatz direkt am Meer und erleichtert parken wir mit Blick auf den weiten Horizont und machen uns nach einem kurzen Erkundungsgang daran uns etwas einzurichten. Doch nach einer halben Stunde müssen wir uns trotz 2 verschiedenen Insektensprays geschlagen geben – von oben bis unten mit Sandflies bedeckt treten wir die Flucht zurück über die Schotterpiste an. Nachdem wir unsere Fahrt nocheinmal unterbrechen müssen, weil eine komplette Rinderherde gemächlich vor unserem Auto die „Straße“ überquert, fahren wir den ganzen Weg zurück nach Greymouth und finden dort einen Freedom Campingplatz wo wir nach einem langen und anstrengendem Tag endlich unser Bett aufbauen können.
Am nächsten Tag ist das erste, was wir durch den Nebel sehen, ein Strafzettel über 200 NZD – in der Dunkelheit haben wir übersehen, dass man einen Aufkleber am Auto braucht, der bestätigt, dass mein seine eigene Toilette dabei hat. Nach dieses Ereignissen hat es uns erst einmal die Lust an der Westküste verdorben und so fahren wir über den Arthur’s Pass nach Christchurch um nochmals zum Kevin – Mobil aufzuholen und dort ein paar Nächte auf einem, dieses mal tatsächlich, freien Parkplatz direkt am Strand zu übernachten. Morgens werden wir von einem wunderschönen Sonnenaufgang über dem Meer oder den Kevins geweckt, die uns zu den besten Chai Lattes, die ich je getrunken habe, in einem kleinen Cafe abholen und in der Bücherrei direkt neben uns gibt es unbegrenzt freies Internet und Strom. So motiviert schaffen wir es sogar einmal am Strand joggen zu gehen und die Tatsache, dass es nur die Auswahl zwischen eiskalter Dusche und auch nicht viel wärmerem Meer gibt gerne hinzunehmen. Über Kaikoura und Blenheim geht es anschließend immer weiter in den Norden und durch die erfolgslose Suche nach einem freien Hostel in Picton und Nelson landen wir schneller als gedacht noch am gleichen Abend in Havelock und haben so innerhalb weniger Stunden die Nordspitze erreicht. Von den Gedanken an die wärmere Nordinsel angetrieben, machen wir uns am nächsten Tag schon auf den Weg Richtung Abel Tasman Park, unserem letzten Ziel auf der Südinsel. Doch der Wetterbericht der nächsten Tage steigert die Aussicht auf mehrere Nächte im Auto nicht besonders und so verkriechen wir uns erst einmal mit der zweiten Staffel Walking Dead in einem Hostel in Takaka und warten darauf, dass der Regen aufhört.

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29.2. – 10.3.2013 Johoho und ne Buddl voll Rum

Nachdem wir uns von dem wunderschönen Strand von Monkey Island verabschiedet haben, geht es mit Stopp an den Seen Monowai und Mavora und dem unvergesslichen Ereignis einer 37 km langen Schotterfahrt inklusive ausgebrochener Kühe und einer ganzen Menge Staub, wieder zurück nach Queenstown. Hier schaffen wir es gleich nochmal uns mit den beiden Kevins zu treffen – Ein Treffen das, wer hätte es nicht gedacht, mal wieder in einem Essens-Rekord ausartet und so vernichten wir mit Verstärkung von des einen Kevins Eltern und zum Erstaunen der gesamten Bedinung 3 Pizzen mit dem Umfang eines Hula-Hoop-Reifens. Danach ist, zumindest für mich, auch schon für das Frühstück am nächsten Tag gesorgt und so machen wir uns mit dem Hörbuch der Schatzinsel im Ohr am nächsten Morgen auf nach Alexandra. Nach dem unfassbaren Luxus eines heissen Wirpools für nur 4$ im Schwimmbad von Alexandra treffen wir auf unserem nächsten Campingplatz einen Mann, der uns seine Geschichte erzählt, die Flo unter Einfluss der Schatzinsel ermutigt an eine Zukunft als Pirat zu glauben und mich davon überzeugt, dass zumindest im Land der Kiwis, alles möglich ist.

„Mit meinem Segelboot segelte ich die Küste von Neuseeland auf und ab, das gefiel mir ziemlich gut, denn ich bin leidenschaftlicher Segler und um Neuseeland lässt es sich wirklich sehr gut segeln. Die Küste, die ich vom Wasser aus sah, gefiel mir sehr gut, aber ich sah sie eben nur von weitem. Ich beschloss, dass ich sie gerne mehr im Detail sehen wollte und so lernte ich einen Helikopter zu fliegen. Das Fliegen gefiel mir sehr gut und so verkaufte ich mein Boot und kaufte einen Helikopter. Doch irgendwann wollte ich das Land, das ich sah, mehr im Detail sehen und so landete ich und kaufte mir ein Stück Land. Dann dachte ich, wenn ich ein Stück Land habe, kann ich auch ein paar Tiere darauf stellen. Und so kaufte ich ein paar Tiere und wurde Farmer. Doch jetzt überlege ich, ob ich mein Land nicht wieder verkaufen soll um mir ein Segelboot zu kaufen.“

Mit dieser Geschichte im Kopf geht es weiter bis nach Wanaka, wo wir in der Puzzling World von optischen Täuschungen verwirrt werden und (fast) heldenhaft den Ausgang des großen Labyrinths finden. Über Fox Glacier und Franz Josef geht es mit einer atemberaubenden Bergkulisse weiter nach Okarito wo wir spontan ein Kajak mieten und durch eine wunderschöne Lagune vorbei an unzähligen Vogel-und Pflanzearten paddeln. Zwar noch kein Piratenschiff, aber zumindest mal ein Anfang. Nach Hokitika, wo wir eine Fish & Chips (bzw für mich Potatowedges mit Chilli und Sourcreme- yammi) Pause am Meer einlegen landen wir an einem sich ins endlose erstreckenden Steinstrand hinter Greymouth.

Durch die letzten Tage piratisch sehr geprägt, (denn nach der Schatzinsel folgte Jim Knopf und die Wilde 13 (: ) sticht uns plötzlich ein goldenes Funkeln am Wasser ins Auge und den einsamen Goldgräber von Monkey Island als Vorbild nehmend, sammeln wir fleissig den mit Sand gemischten Goldstaub ein. Wie wir den Staub jetzt vom Sand trennen sollen und ob es sich überhaupt um Gold handelt ist uns ein Rätsel, aber zumindest machen wir schon fast Captain Jack Sparrow Konkurrenz : Wir haben eine Tüte voll Dreck!
Nach dieser erfolgreichen Entdeckung und einem Hotdog Picknick bei Sonnenuntergang geht es am nächsten morgen auch schon weiter nach Westport und damit haben wir schon fast den Norden der Südinsel erreicht.

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17.2. – 28.02 : 3.2.1. – Neuseeland

Das Plätschern des kleinen Flusses neben mir wird fast durch das gleichmäßige Rauschen des Meeres überdeckt, die letzen Sonnenstrahlen bringen die rot gelben Sandsteinwände zum leuchten und lassen die sich dahinter erstreckenden Hügel in einem saftigen grün erstrahlen.
Eigentlich wollten wir nach Te Anau – gelandet sind wir an einem wunderschönen sich scheinbar endlos erstreckenden Sandstrand mit einem Steinhaufen (unseren Laienhaften Schnupper-Untersuchungen zu folge handelt es sich um einen Berg aus Vulkanstein) der sich Monkey Island nennt und unbeschreibliche Ausblicke auf das weite Meer ermöglicht.

Schon bei meinem Inlandsflug von der Nord- zur Südinsel hat mich Neuseeland in seinen Bann gezogen: Schwarze Berge, deren schneebedeckte Spitzen zwischen einem Wolkenmeer glitzern, sind das Erste was ich von der Südinsel zu sehen bekomme. Als ich nach der Landung aus dem Flugzeug klettere, bin ich so überwältigt davon, wie nah sich die Berge um den Flughafen herum aus dem Boden erheben, dass ich fast über meine eigenen Füße stolpere. Doch als ich durch die Tür zur Eingangshalle geschoben werde, verschwinden die Berge ganz schnell wieder aus meinem Kopf: Endlich kann ich meinen Flo wieder in die Arme schließen. Und im Gegensatz zu unserem Treffen in Australien wird er mich erst mal nicht mehr so schnell los, denn wir werden die nächsten 2 ½ Monate zusammen durch das Land der Kiwis reisen. (:

Viel Zeit um mich an meinen Landwechsel zu gewöhnen bleibt mir nicht, denn schon am nächsten Morgen geht es dick eingemummelt ( Ja, eine lange Hose und zwei Pullis sind nach fast 5 Monaten Hochsommer eine Menge! ) mit Flos Vater und Schwester von Queenstown aus zum Milford Sound. Und wieder komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Wir fahren mit einem Boot durch tiefblaues Meerwasser zwischen steil aufragenden Bergen hindurch so nahe an Wasserfälle heran, dass wir nass werden und ich bekomme meine ersten freilebenden und wirklich ganz echten Seelöwen zu sehen.

Die nächsten Tage in Queenstown verbingen wir damit unser erstandenes Auto auszurüsten, was hauptsächlich Hin- und Hergefahre bedeutet, da Queenstown zwar eine wunderschöne Stadt ist, es aber an Baumärkten und fachkundiger Beratung ( das eine Säge möglicherweise sägt, da es ja eine Säge ist, haben wir uns schon fast schon gedacht(: ) leider mangelt. Die Zeit, die wir nicht auf der Jagd nach Holzbrettern, Gaskatuschen oder Matratzen verbringen, nutzt Flo für den Bau unseres Bettes und ich für ein neues Design für unser Fahrzeug. (Der ganze Campingplatz scheint Wetten über meine künstlerischen Fähigkeiten abzuschließen, zumindest lassen die neugierigen Blicke und die positiv überraschten Reaktionen über das Endergebnis darauf schließen)
Nach 5 Tagen werkeln, fahren, malen, Geld ausgeben, zu vielen Pausen bei Mc Donalds (sag das bloß nicht meinem Papa) morgendlichen Kälteschocks im wunderschönen Gletschersee neben unserem Campingplatz und dem besten Burger aller Zeiten zusammen mit den Kevins, geht es weiter Richtung Süden.

In Colac Bay schlafen wir das erste Mal direkt am Meer und können uns am nächsten Morgen nicht an der aufgehenden Sonne satt sehen, die den Steinstrand in goldenes Licht taucht – bis wir plötzlich von einem riesigen Schwarm Sandflies zur überstürzten Flucht gezwungen werden.

Weiter geht es Richtung Invercargill, wo wir hoffen endlich unser 80-cm-Matratzen-Problem lösen zu können. Nachdem wir nach stundenlanger Suche in Hardwarestores, Campingläden und Opp Shops in einen Stapel Liegestuhlmatten im Sonderangebot laufen, kehren wir total erschöpft mit unserer Beute zurück und polstern erstmal unseren Kofferraum aus.
Da sich die, so simpel klingende, Aufgabe, ein als Schlafunterlage geeignetes Material zu finden, als fast unlösbar heraus gestellt hat, beschließen wir eine Nacht auf einem kleinen Campingplatz in Invercargill zu verbringen. Nach dem Luxus einer heißen Dusche klettern wir in unser neues Bett und können den Komfort den unser Auto mittlerweile erreicht hat, fast nicht fassen. (Wir haben sogar eine kleine Deckenlampe über dem Bett!!)
Unser nächster Stopp ist Bluff, eine winzige Stadt, die aber der südlichste Punkt von Neuseeland ist und mit ihrem berühmten Wegweiser bekannt geworden ist. Einen Besuch ist unbedingt auch die sprechende Toilette wert, die einen freundlich darauf hinweist, wie lange man noch Zeit hat, bevor sich die Tür automatisch wieder öffnet um die Öffentlichkeit an den Geschäften teilhaben zu lassen.
Vor allem nachts wird es doch immer frösteliger und die von innen beschlagenen Autoscheiben nähern sich schon fast der Frostgrenze, deswegen ist unser Plan über Te Anau und Queenstown dem hoffentlich wärmeren Wetter Richtung Norden entgegen zu fahren. Doch als zwischen endlosen Hügeln und Schaafherden plötzlich ein Wegweiser zu Monkey Island auftaucht, fahren wir nicht zum ersten Mal von der Hauptstrasse ab…

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17.02.2013 Abschied von den Aussies

Verlorenes Gepäck, fehlende Passagiere und seit 10 Minuten immer wieder der gleiche Finalcall für Jetstar und Singapore Airlines… Ganz schön was los am Sydney Airport. Mein Flug hat Verspätung und so kann ich nach dem mein Wecker mich viel zu früh aus dem Bett geklingelt hat, erst mal mein von Emirates bezahltes Frühstück genießen. Für mich geht es heute nach Neuseeland, für Jehan weiter in den Süden Australiens. Im April treffen wir uns wieder in Neuseeland, aber jetzt ist es doch erst mal ein seltsames Gefühl hier seit 2 1/2 Monaten das erste Mal alleine darauf zu warten, dass es weiter geht.

Nach den ersten 4 Wochen in Sydney sind wir 6 Wochen kreuz- und quer die Ostküste hoch und runter gereist und haben dabei ca 5000Km zurückgelegt. (Davon wurden wir 40 Stunden in Bussen tiefgekühlt) Wir sind Hitzewellen und Überflutungen entkommen, haben erfolgreich unsere Fischabneigung überwunden, Nemo gefunden, sind über das Meer gerast und aus einem Flugzeug gesprungen. Wir haben einen ganzen Haufen neuer Leute kennengelernt, Verwirrung gestiftet und uns so an das Backpacker-Leben gewöhnt, dass ein Eis für 30 cent die Laune in wenigen Sekunden zum Höhepunkt bringen kann, Plastikgabeln als Grillzange nicht ungewöhnlich sind, wir uns nicht einmal mehr fragen, ob wir wirklich schon wieder Nudeln mit Pesto frühstücken können und uns ein Brot, dass sich unglaublicherweise nicht als getarntes Toast herausstellt, sondern tatsächlich beim reinbeissen Knusper-Geräusche macht, so aus dem Konzept bringt, als hätten wir gerade Channing Tatum persönlich getroffen. (:

Die letzte Woche haben wir in Byron Bay verbracht, eine Stadt, in die wir uns schon in den ersten paar Minuten verliebt haben: es fahren fast mehr bemalte Busse als „normale“ Autos durch die Gegend (am ersten Tag ist einfach eine knallrote VW-Bus Limousine an uns vorbei gefahren !!!!), die Sonne strahlt vom blauen Himmel, die Strände sind einfach atemberaubend schön und für einen Moment zieht uns die Atmosphäre so sehr in den Bann, dass es gar nicht so abwegig erscheint, uns Rastalocken machen zu lassen und mit einem Hund und Surfbrettern in ein kleines Haus direkt am Strand zu ziehen…Kein Wunder, dass hier jeder mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Strassen läuft.
So schwer es uns auch fällt, müssen wir weiter ziehen, aber dafür schaffen wir es noch einmal unserem blauen Haus in Manly einen Besuch abzustatten bevor ich mich von Australien verabschieden muss.

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26.01. – 06.02.2013 Cairns

Hat irgendjemand ein Trapez Größe M? Ich dachte, dass L bei ihrer Länge passt, aber sieht so aus als ob ich mich getäuscht habe, sagt der Kerl der hinter mir sitzt und zupft an den Gurten die über meine Schultern rutschen. Wird schon irgendwie passen, meint er und schaut todernst in die Runde. Ich sitze eingeklemmt zwischen 11 anderen Leuten in einem winzigen Flugzeug dass bedrohliche knattert während die Häuser unter uns immer kleiner werden. Mir ist klar, dass die Trapeze Einheitsgröße sind und bin irgendwie ganz froh, dass ich einen Instruktor erwischt habe, der pausenlos versucht mich zu verwirren, so habe ich wenigstens keine Zeit mir Gedanken darüber zu machen, dass wir 14000ft über dem Boden sind und das einzige was uns im Moment noch vor dem freien Fall trennt ein Rolltor ist. Bevor ich mich über den schlechten Witz beschweren kann,bin ich schon fest mit ihm vergurtet. Jetzt wird es ernst. Keine Möglichkeit mehr zu fliehen, grinst er und schiebt mich einfach zur Kante des Flugzeugs. Ich bin noch am überlegen, ob ich runterschauen soll oder nicht, da fallen wir auch schon mit 200km/h dem Boden entgegen. Nach den ersten paar Sekunden geniesse ich nur noch dieses wahnsinnige Gefühl und dann ist es schon vorbei. Der Fallschirm öffnet sich und langsam gleiten wir wieder zurück zum Boden. Jehan landet neben uns und wir können gar nicht mehr aufhören zu lachen. Wir sind ernsthaft aus einem Flugzeug gesprungen.

Die nächste Herausforderung lässt nicht lange auf sich warten. Obwohl wir beide nicht besonders Fischbegeistert sind, wollen wir uns zum Great Barrier Reef wagen. Gesagt, getan. Mit einer Unterwasserkamera bewaffnet und den zwei Holländern als Verstärkung nehmen wir an einem Reef Cruise teil. Mit Stingersuit, Flossen und Schnorcheln ausgestattet, lassen wir uns ins Wasser fallen und finden uns in einer anderen Welt wieder. Zwischen Korallen und Wasserpflanzen schwimmen orangene, lilane, blaue, grüne und Regenbogenfarbene Fische. Alles was man hört ist das Geräusch der größeren Fische, wenn sie an den Korallen „kabbern“ und ein weit entfernetes Blubbern. Wir finden Nemo und Dori, die an uns vorbei schwebt und Schwärme schwarzer Fische fliegen durch das Wasser. Durchsichtige Quallen glitzern in Sonnenstrahlen und plötzlich gleitet ein gigantischer Fisch an mir vorbei, der aussieht als ob er Jehan mal eben so verschlucken könnte. Es gibt Fische, die so bunt leuchten, dass man sie meterweit sieht und andere, die sich genau an ihre Umgebung angepasst haben und plötzlich aus dem Nichts auftauchen. Es ist schwer aus dieser verzauberten Welt wieder aufzutauchen, doch das Buffet an Board lockt uns Backpacker nach Wochenlangem Nudel essen doch zu sehr und wer wird sich denn ein kostenloses Glas Goon entgehen lassen wollen?

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"einmal drum rum" – ein Weltreiseblog