Niemand kann sich selbst entschuldigen

Niemand kann sich selbst entschuldigen

Es begegnet uns im Alltag oft, dass Menschen sich selbst entschuldigen, oder es zumindest aussprechen. Doch weder kann sich jemand selbst entschuldigen, noch würden entschuldigende Worte etwas bewegen, solange derjenige keine wirkliche Reue empfindet.

Es ist ein Unterschied ob wir ein Wort einfach so daher sagen oder dessen Bedeutung tief in uns empfinden. Die meisten Menschen empfinden wohl eher selten Reue, wenn sie das Wort Entschuldigung aussprechen . Sie sagen es, weil sie es so gelernt haben und weil man das eben tut.

Die Entschuldigung wird einfach dahin geplappert. Doch ganz unabhängig davon, haben wir Reue gefühlt? Haben wir irgendetwas gefühlt, das wir falsch gemacht haben? Oder haben wir nicht nur einfach Entschuldigung gesagt, weil es sich so gehört und damit wir unsere Ruhe haben?

Dabei liegt gerade in der Entschuldigung so ein machtvolles Instrument. Wir sagen dieses Wort so oft in unserem Leichtsinn dahin und merken gar nicht, wie wir uns damit immer wieder neue Schuld aufladen und uns so nicht wirklich von unserer Schuld befreien.

Denn wir können uns nicht selbst von einer Schuld selbst befreien. 

Wie kannst du jemanden anderen etwas zufügen und dich selbst von der Schuld befreien, die auf dir lastet?

Das funktioniert schon durch das Gesetz des Karmas nicht, das im Buddhismus sehr weit verbreitet ist und das ursprünglich auch im Christentum gelehrt wurde. Das Karma sind die feinstofflichen Fäden im Universum, in der Natur, auf energetischer Ebene, in der göttlichen Schöpfung oder wie immer du es nennen magst. Diese Fäden erzeugst du durch dein Handeln, durch deine Gedanken und durch deine Wort. Sie bilden eine Art energetisches Netz von dem du umgeben bist. Du schaffst dir damit deine eigene Realität.

Wir kennen das alle, wenn wir schlecht gelaunt morgens aufstehen, dass der ganze Tag so mies weiter verläuft. Der Kaffee ist besonders schlecht, in der Dusche ist das Wasser diesmal besonders kalt oder besonders nass, und dann gehen wir raus und alle haben heute besonders schlechte Laune. Das ist das Gesetz des Karmas und das Gesetz der Anziehung der Gleichart. Das Gesetz der Anziehung ist ein Naturgesetz. Man sagt Gleich und Gleich gesellt sich gern, d. h. ich sende Gedanken aus und ziehe damit um ein vielfaches gleiche Gedanken wieder an.  Wenn wir an einem anderen Tag viel besser gelaunt sind, dann begegnen uns viele gut gelaunte Menschen, der Kaffee schmeckt gut, das Wasser ist besonders schön nass.

Wenn ich anderen Menschen etwas antue, dann kommt es nach dem Gesetz des Karmas, dem Gesetz der Anziehung und dem Gesetz der Wechselwirkung wieder auf mich zurück. Denn es kann nicht sein, dass ich durch die Welt stolpere und anderen Menschen Leid zufüge und nur sagen muss „Entschuldigung … ich entschuldige mich … tut mir Leid.“ und dann alles wieder gut ist. Es funktioniert nicht, dass ich auf dem Fuß eines Menschen stehen bleibe, das Wort Entschuldigung sage und ich damit von aller Schuld befreit bin.

Was steht im Duden zum Thema Entschuldigung?

Jemanden wegen eines falschen Verhaltens oder ähnliches um Verständnis, Nachsicht, Verzeihung bitten.

Das heißt, es ist eine Bitte. Ich bitte um Entschuldigung und es liegt in der Macht des anderen meine Entschuldigung anzunehmen oder sie abzulehnen. 

Ich bitte um Entschuldigung: Ent-schuldigung bedeutet die Schuld wieder zu entzweien, mich der Schuld zu entledigen. Unsere deutsche Sprache ist so wunderbar präzise und bringt es genau auf den Punkt. Wir denken oftmals gar nicht darüber nach, was wir sagen und was der ursprüngliche Sinn und die Bedeutung der Worte sind, die wir verwenden.

Um Entschuldigung bitten…

Wann hast du das letzte Mal gesagt „Ich bitte um Entschuldigung“ oder „Bitte entschuldigen Sie mich“? Ich ertappe mich selbst dabei, dass es mir hin und wieder ein „Ich entschuldige mich“ heraus rutscht. Aber nein, ich kann mich nicht selbst entschuldigen. Ich kann den anderen um Entschuldigung bitten und nur er kann mich von meiner Schuld befreien. Denn das Leid, das ich ihm zugefügt habe, lastet auf ihm. Die Schuld lastet auf mir und kein anderer, als der Mensch selbst, dem das Leid – und wenn es nur ein Wort war – zugefügt wurde, kann mich von dieser Schuld befreien.

Natürlich kann ich mich auch selbst für etwas beschuldigen, was ich nur mir selbst gegenüber zu verantworten habe. Dann liegt es an mir, dass ich mir selbst vergebe, dass ich mich selbst entschuldige, dass ich mir selbst verzeihe und mich selbst um Vergebung bitte. Mich selbst um Vergebung bitten – das klingt zunächst verrückt, aber ich finde das ist ein wichtiger Prozess. Nur wenn ich es bei mir selbst kann, kann ich es auch bei anderen. Es fällt leichter zu sagen: „Oh, ich entschuldige mich“ als: „Oh es tut mir Leid, bitte entschuldigen sie mich“ und darauf zu warten was der andere sagt.

Wenn ich einen anderen entschuldigen möchte, dann ist es wichtig dies auszusprechen, es zu verbalisieren. Angenommen mir ist jemand auf den Fuß getreten und er sagt zu mir: „Oh bitte entschuldigen Sie“, dann sage ich „sehr gerne“ oder „ich entschuldige Sie“. Es ist wichtig in Resonanz zu gehen und jemandem seine eigene Schuld zu vergeben – wenn man es möchte, wenn es angemessen ist. Es kann sein, dass die Schuld, das Leid, das mir zugefügt wurde, so groß ist, dass es nicht einfach nur mit einem dahingesagten „Ich bitte um Entschuldigung“ abgetan ist.

Es kann sein, dass ein Mensch seit Wochen, Monaten oder Jahren immer wieder die gleichen Fehler begeht und einem Menschen immer wieder Leid zufügt. Dann ist es nicht so einfach, dieses mit einem „Oh ich bitte um Entschuldigung“ abzutun. Und vor allem ist es nicht selbstverständlich, wenn ich um Entschuldigung bitte, dass der andere meine Bitte annimmt. Es ist eine Gnade, die der andere uns erweist.

Gnade… ein Wort, das wir viel zu selten verwenden. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist es kaum vorhanden. Gnade – der andere erweist mir die Gnade mich zu entschuldigen. Auch wenn das jetzt ein bisschen ungewohnt klingt, weil es von unserem Alltag so weit entfernt ist, so ist doch – so finde ich – eine ungeheure Kraft in diesen Worten und ebenfalls in dieser Geste. „Ich bitte um Entschuldigung“  – Das hat eine ganz andere Kraft, eine ganz andere Wirkungsweise, denn um etwas Bitten, das erfordert Rückgrat. Um etwas Bitten, das erfordert Einsicht. Um etwas bitten erfordert in gewisser Weise Mut. Es erfordert, dass ich Einsicht zeige, dass ich Reue zeige, dass ich über meinen eigenen Schatten springe und dass ich um Vergebung bitte. Dass ich nicht erwarte, dass mir der andere vergibt.

Ich bitte, bin aber auch gleichzeitig bereit mit meiner Schuld zu leben, so lange bis mir vergeben wird. 

Ich glaube an das Gesetz des Karmas und ich glaube auch an die Reinkarnation. Ich glaube an den Geist, die Seele und den Körper. Ich glaube daran, dass wenn irgendwann die Zeit gekommen ist, wir unseren Körper verlassen, unsere weltliche Hülle von uns streifen um wieder nach Hause gehen. Dann lastet die ganze nicht vergebene Schuld, das ganze Leid, das wir anderen angetan haben und für das wir nicht um Vergebung gebeten haben und das uns nicht vergeben wurde auf uns. Wir können erst aufsteigen, wenn wir jedem Menschen vergeben haben und wenn auch uns von jedem Menschen vergeben wurde. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Seele nach dem Verlassen unseres Körpers jeden einzelne Seele um Vergebung bitten muss, bevor wir aufsteigen können. Also immer dort, wo noch etwas ungeklärtes offen ist.

Ein Freund von mir, Jack, ist ein Indianer. Ein wirklicher, originaler Indianer aus Kanada vom Stamm der Blackfood Indianer. Er kommt aus einer Heilerfamilie. Jack ist Schamane. Doch nicht wie bei uns in Europa, dass sich jemand selbst zum Schamanen ernennt, weil es „in“ oder „hipp“ ist. In Jack’s Kultur wirst du auserwählt, d. h. du kannst es dir nicht aussuchen. Ich war öfters bei Jack zu Besuch. Die Indianer haben, unter anderem, das Schwitzhüttenritual, die Schwitzhüttenzeremonie.

Bei dieser gibt vier Runden: Die erste Runde ist die Runde der Vergebung. Denn in der Kultur der Indianer heißt es, dass du nur zum Heil kommen und genesen kannst, wenn du dir und allen anderen Menschen auf der Welt alles vergeben hast, was noch anhaftet.

Entschuldigung hat immer etwas mit Vergebung zu tun, denn wenn ich jemandem vergebe, nehme ich die Schuld von ihm. Denn es bringt nichts eine Schuld weiter durch mein Leben zu tragen, weil es meine Last ist. Eine Last, die ich auf meinen Schultern durch mein ganzes Leben weiter tragen muss. Und all die noch nicht vergebenen Dinge, die lasten immer weiter auf meinen Schultern und ich muss irgendwann sowieso von ihnen befreien. Warum also nicht gleich? 

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