Was ist Schönheit? [Podcast]

Was ist Schönheit? [Podcast]

Was ist eigentlich diese Schönheit, von der ständig alle sprechen?

Auf der Suche nach Schönheit befinden wir uns doch irgendwie alle, oder? Denn ist es nicht so, dass wir uns immer die schönen Dinge im Leben raussuchen? Dass wir versuchen es uns zu Hause schön zu machen, dass wir versuchen uns schön herzurichten, dass wir an unserem Partner etwas sehr schön finden, dass wir den Urlaub als schön empfanden, dass ein Abend sehr schön war und dass wir stets versuchen die schönen Seiten des Lebens zu sehen. Es ist etwas sehr schönes, wenn uns ein Mensch etwas liebes sagt und dass es in der Welt nur um Schönheit und schönes Aussehen geht.

Doch was ist Schönheit eigentlich? Wenn man darüber nachdenkt, ist es gar nicht so leicht zu beschreiben, oder?

Ich hatte vor kurzem mit meinem Sohn ein Gespräch. Er war mit seiner Klasse auf einer Fahrt und ich habe ihn gefragt: „wie war es?“ Und er „ja schön“. Darauf sage ich: „versuch ein anderes Wort als schön zu finden und zu beschreiben wie du das empfandest. Seine Antwort: „Es war cool“. Ich sage „OK, und versuche jetzt mal nicht cool und nicht geil zu sagen.“ Er musste eine Weile überlegen. Und auch ich muss immer überlegen. Wenn ich so dahin sage „es ist schön gewesen“ Was meine ich damit eigentlich? Wir sind uns alle einig, wenn wir etwas schön finden, dann ist es erst mal ein positiv besetzter Begriff. Wir assoziieren mit einer Sache, mit einer Situation oder mit einem Menschen etwas positives. Aber damit sind wir erst einmal nur auf dieser schwarz-weiß Ebene. Wir klassifizieren es nur in schwarz oder weiß. In gut oder schlecht. In schön oder hässlich. Aber dabei haben wir gerade mit unserer deutschen Sprache so ein unheimlich tolles Werkzeug an der Hand, mit der wir so weit in die Tiefe gehen können, eine sehr poetische Sprache, eine sehr lyrische Sprache, eine sehr bildhafte Sprache. Was ist das, was wir unter schön verstehen? Was ist ein schöner Mensch?

Wenn ich die letzten 14 Jahre, die ich fotografiere, Revue passieren lasse – wer meine Arbeit kennt, der weiß, dass ich vorwiegend Frauen fotografiert habe – dann kann ich da ein sehr trauriges Fazit ziehen. Ich habe in den ganzen 14 Jahren, in denen ich fotografiere, nur ungefähr 2 Frauen kennengelernt, die gesagt haben:“ich fühle mich schön“, „ich fühle mich so wie ich bin zufrieden“. 2 Frauen, und ich habe hunderte fotografiert! Nur 2 fanden sich schön. Ist das nicht traurig? Ist es nicht traurig, dass nur 2 Menschen sich schön fanden? Und ich habe mich gefragt: „warum ist das so?“ Warum finden sich so wenig Menschen schön? Und das ist nicht nur bei den Frauen so. Es ist auch bei den Männern so. Wenn wir Männer mal unser Ego „ich bin der tollste Hengst“ zurücklassen und ganz tief in uns horchen, ist es bei uns Männern auch nicht anders. Und ist es nicht aber schon ein Paradoxon an sich, dass wir uns nicht schön finden, obwohl wir eigentlich gar nicht wirklich sagen können, was schön sein oder Schönheit eigentlich bedeutet?

Müssen wir uns denn nicht erst einmal über die Begrifflichkeit des Wortes im Klaren sein, um überhaupt sagen zu können, ob etwas schön ist oder ob etwas nicht schön ist? Ich habe im Internet recherchiert, was es zum Thema Schönheit gibt. Wenn wir da in der Etymologie schauen – die Etymologie ist letztendlich die Historie eines Wortes, bei der man zur Wurzel und den Ableitungen vordringt – dann gibt es verschiedene Ansichten bzw. verschiedene Entwicklungen des Wortes „schön“. Zum Beispiel in jeder Hinsicht gut anzusehen, wohlgefällig, bewundernswert, ansehnlich, glänzend, rein, herrlich, gut, angenehm, schonend, freundlich, anmutig. Es gibt also ganz unterschiedliche Bedeutungen, die aber irgendwie alle das gleiche aussagen. Was sagt denn Wikipedia zum Thema Schönheit? Ich zitiere wörtlich:

Schönheit als Gegensatz zu Hässlichkeit ist ein abstrakter Begriff, der stark mit allen Aspekten des menschlichen Daseins verbunden ist. Mit der Bedeutung dieses Wortes beschäftigt sich hauptsächlich die philosophische Disziplin der Ästhetik. Wie jede Wertung, ist dieser positiv besetzte Begriff von Wertvorstellung und Bewertungszielen abhängig, die auch gesellschaftlichen Konventionen unterliegen. Welche Wertmaßstäbe dem Ausdruck Schönheit zugrunde liegen und wie sie zustande kommen ist auch Untersuchungsgegenstand von Natur- und Geisteswissenschaften. Im Alltag wird als schön meist etwas bezeichnet, was einen besonders angenehmen Eindruck hinterlässt. Ein schöner Körper, ein schönes Musikstück, eine schöne Bewegungsabfolge imTanz, aber auch Erlebnisse wie z. B. streicheln. Eine Nähe zu Begriffen wie Harmonie und Symmetrie fällt auf. Eine Abgrenzung gegenüber sinnlicher Überwältigung oder nur dem Hübschen, dem das Besondere fehlt, ist nicht immer leicht. „

Wissen wir jetzt mehr? Nicht wirklich. Doch es sind ein paar interessante Begriffe gefallen. Es sind Begriffe wie Harmonie und Symmetrie gefallen. Es gibt ja z. B. verschiedene Tests, die belegt haben, dass je symmetrischer ein Gesicht ist, wir es um so schöner empfinden. Und das erklärt natürlich auch, warum sich so ein großer Bereich wie die Beauty-Fotografie oder allgemein die Beauty Retusche entwickeln konnte, weil hier geht es darum aus einem A-symmetrischen Gesicht ein symmetrisches Gesicht zu machen. Dort werden Gesichtsproportionen angeglichen, es wird die Augengröße angepasst, es wird der Mund korrigiert, es wird nachträglich eine Symmetrie hergestellt. Nur für die meisten Menschen ist natürlich genau diese Symmetrie auch wieder mit einer Langeweile besetzt. Denn Symmetrien sind zwar harmonisch, wirken aber auch schnell langweilig. Wer gerade kreativ schaffend ist, der weiß, dass oftmals der Bruch in der Symmetrie das Besondere ausmacht – das besondere z. B. an einem Kunstwerk, an einem Bild, an einem Musikstück. Wenn aber Harmonie und Symmetrie das Schöne sind, was man zumindest bei der Symmetrie auf das visuelle adaptieren kann, dann können wir jetzt nochmals die Frage stellen: wann empfinden wir etwas als schön? Gehen wir dabei weg von der Symmetrie und bleiben jetzt nur bei der Harmonie. Denn da kommen wir der Sache vielleicht ein bisschen näher, weil eine Harmonie eher im Gefühlsbereich wahrnehmbar ist und eine Symmetrie ist messbar. Eine Harmonie können wir nicht messen. Eine Harmonie können wir nur empfinden.

Wenn wir uns jetzt fragen, wann empfinden wir etwas als harmonisch, dann kommen wir vielleicht der Frage näher. Denn Harmonie hat auch immer etwas mit Gefühlen zu tun. Harmonie hat immer etwas mit Schwingungen zu tun. Und wenn wir bei Schwingungen sind, sind wir ganz schnell bei Energien und bei dem Thema Resonanz. Das ist ein sehr wichtiger Begriff, wenn es um das Thema Schönheit geht. Denn nach meinem aktuellen Entwicklungsstatus kann ich sagen, dass ich das schön finde, mit dem ich in Resonanz gehen kann. Und zwar in harmonische Resonanz.

Wenn ich in Resonanz für etwas bin, dann ist bereits eine gewisse Form von Harmonie vorhanden. Wenn ich mir bewusst bin, dass es etwas mit meinen Schwingungen zu tun hat, also den Schwingungen einer Sache oder eines Menschen, mit dem ich gerade in Resonanz bin, dann bekommt der Begriff Schönheit eine neue Bedeutung.

Wenn man Menschen fragt „was ist Schönheit?, sagen sie oft – das liegt im Auge des Betrachters. Ja klar liegt es im Auge des Betrachters. Das wissen wir alle selbst, aber das hat noch lange nichts damit zu tun was Schönheit ist. Doch wenn wir die Idee der Harmonie auf mit hinzuziehen, dann bekommt die Aussage „es liegt im Auge des Betrachters“ eine komplett neue Bedeutung. Denn dann ergibt es Sinn. Denn dann liegt es nicht nur im Auge des Betrachters, sondern es liegt am Wahrnehmenden.

Es gibt also einen Empfänger und einen Sender. Das kann man sich so vorstellen wie einen Radiosender, an dem man die Frequenz einstellt. Wenn ich die Frequenz von meinem Lieblingsradio, was vielleicht auf 99,3 sendet nicht einstelle, dann bin ich nicht resonant mit dieser Frequenz, d. h. ich kann sie nicht empfangen. So haben wir Menschen, nach meinem Empfinden alle unseren Sender auf bestimmt Schönheits-Frequenzen eingestellt. Wenn es also bestimmt Sender gibt, die genau auf unserer Frequenz ihre Wellen aussenden, dann gehen wir mit diesen Wellen in Resonanz. Es findet zwischen uns eine Verbindung statt, die wir vielleicht als schön kennzeichnen.

„Hach, hat der Mensch schöne Augen.“ oder „Sieht er nicht schön aus, hat er ein schönes Lächeln, er hat eine so schöne Stimme.“ Es geht immer um Resonanz. Weil wir Menschen unsere Frequenzen auf unterschiedliche Kanäle eingestellt haben, empfinden wir auch alle etwas anderes als schön. Denn nur weil viele Menschen etwas als schön empfinden, heißt es das nicht, dass es schön ist. Es empfinden nur viele Menschen als schön.

Nun müssen wir allerdings bei all dem berücksichtigen, dass wir Menschen auf bestimmte Frequenz programmiert werden können. Das heißt, wenn wir über einen längeren Zeitraum bestimmten Frequenz ausgesetzt sind, dann schwingen wir auch harmonischer auf dieser Frequenz. So kann natürlich auch unser Bild, also unsere Vorstellung von Schönheit beeinflusst werden.

Am Ende müssen wir daher stets zu unserer tiefen Wahrnehmung zurückfinden. Zu dem was wir tief in unserem Inneren empfinden. Nicht auf das, was wir denken, sondern auf das, was uns wirklich tief in unserem Herzen anspricht. Das was uns das Gefühl gibt, wir gehen damit in Resonanz. Das Gefühl als hätte eine übernatürliche Kraft von uns Besitz ergriffen, wenn ein Mensch vor uns steht, den wir als unsagbar schön finden. 

Kommen wir zur Eingangsfrage zurück: Warum fühlen sich viele Menschen nicht schön?

Weil sie versuchen auf einer Frequenz mitzuschwingen, die Ihnen vom Radio des Lebens vorgegeben wird, die aber nicht ihre eigene ist. Doch darum geht es nicht. Es geht vielmehr darum, unsere eigene Frequenz zu finden und zu schauen auf welcher Frequenz wir schwingen. Und Vertrauen in das Leben zu haben, dass es irgendwo einen Empfänger geben wird, der genau unsere Frequenz als harmonisch empfindet.

Denn wenn ich durch das Leben gehe und sage „aaachhh, ich bin so hässlich, ich bin nicht schön und hier habe ich was zu viel, und dort habe ich zu wenig, und dort ist was zu lang, und dort ist was zu kurz und hier ist was zu hart und dort zu weich, und dort zu hell und dort zu dunkel“, dann sende ich maximal Dissonanz. Da dann bin ich die ganze Zeit nur damit beschäftigt meine Antenne so lange zu zu verbiegen, bis ich es allen irgendwie recht mache. Doch damit blockiere ich nur den Kanal für meine eigene Schönheit.

Es geht nicht darum, irgendeinem Ideal zu entsprechen und es geht auch nicht darum das perfekte Aussehen zu haben, es geht nicht darum, dass du keine Pickel hast, es geht nicht darum, dass du eine gerade Nase haben musst. Sondern Schönheit hat immer etwas mit Selbstbewusstsein zu tun, aber nicht mit dem Selbstbewusstsein, wie es umgangssprachlich benutzt wird. Es geht nicht darum von sich zu denken „ich bin erfolgreich, ich bin dynamisch“. Das hat für mich nichts mit Selbstbewusstsein zu tun. Selbstbewusstsein ist für mich, so wie es die Wurzel des Wortes sagt: sich seiner selbst bewusst zu sein. Hier und in diesem Moment. Ich nehme wahr, wie ich bin und – das ist das wichtige – ich werte nicht. Ich werte nicht und ich vergleiche nicht.

Unser Schönheitsideal ist deswegen oft so auf ein Bild festgesetzt, weil wir uns vergleichen. Weil wir uns mit anderen vergleichen. Wir müssen aus diesem Vergleichen herauskommen. Wir müssen aufhören irgendwas im Äußeren als Maß der Dinge für unseren Wert heranzuziehen. Erst wenn wir aus dem Vergleichen rauskommen, erkennen wir unsere Einzigartigkeit. Wenn wir unsere Einzigartigkeit erkennen, dann sind wir uns unserer selbst bewusst. Dann nehmen wir unsere Nase wahr, die ist vielleicht ein bisschen größer als die meines Gegenübers, aber auch wieder ein bisschen kleiner als die meines anderen Gegenübers. Und da ist vielleicht mein Bein, das ein bisschen kürzer ist, als das meines Gegenübers, aber auch wieder länger als das eines anderen Gegenübers. Und wer kann die Frage beantworten, welches Bein schöner ist?

Ich nehme mich einfach wahr, wie ich bin, und nehme mich an wie ich bin und bin dankbar dafür, dass ich dieses Geschenk meines Körpers habe. Dieses Geschenk in diesem wundervollen Körper wohnen zu dürfen und an diesem wundervollen Leben teilhaben zu dürfen. Und jede Sekunde, die ich mir darüber Gedanken mache, wie es wäre ein anderer zu sein, ist verschwendete Energie. Das heißt nicht, dass du dich aufgeben sollst. Das heißt auch nicht, dass du nichts für dein gutes Aussehen tun sollst. Dass du dich bewegst, dass du dich gesund ernährst, dass du gesunde Gedanken hast, die dir helfen. Das heißt nicht, dass du dich selbst aufgeben sollst und ihr habt mich alle gefälligst schön zu finden, weil ich bin so, wie ich bin. Das ist das andere Extrem. Dahinter kann man sich auch verstecken, um nichts tun zu müssen.

Es geht darum zu erkennen, dass wenn du alles in deiner Macht stehende tust, alles natürliche tust, dann ist es heute gut so, wie es ist. Wenn du deinem Weg weiter treu bleibst und weiter deine Ziele verfolgst, in dir selbst zur Ruhe kommst, dann ist es gerade gut wie es ist.

Das Thema betrifft leider die Frauen mehr als uns Männer, weil Frauen von uns Männern viel mehr über ihr Äußeres definiert werden. Das ist auch eine Sache, bei der wir Männer uns einfach mal fragen sollten: was tun wir einem Menschen damit an?. Was senden wir damit aus?

Gerne möchte ich euch noch gerne zwei inspirierende Vorschläge mitgeben, wenn ihr etwas weiter in dieses Thema eintauchen möchtet. Das Erste ist der Film „Embrace“ und das Zweite ist das Buch „Königin und Samurai“.

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