Was wir zeigen, zieht an
Die unsichtbare Wirkung des Äußeren auf uns und andere
- Zuletzt bearbeitet am
- 3. September 2026
- |
- Lesezeit ca. 7 Minuten
Gedanken, Gefühle und das äußere Auftreten eines Menschen wirken über den eigenen Körper hinaus auf seine Umgebung. Sie können bei anderen Empfindungen und Vorstellungen auslösen und als Wirkung zum Ursprung zurückkehren. Deshalb ist die bewusste Gestaltung des eigenen Äußeren nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, sondern auch der Verantwortung.
Was wir ausstrahlen, wirkt auf andere
Wir alle kennen das Gefühl, wenn jemand wütend ist. Noch bevor ein Wort gesprochen wird, lässt sich die Spannung spüren. Wenn jemand traurig ist, verändert sich die Stimmung im Raum. Wenn jemand verliebt ist, geht von ihm eine besondere Ausstrahlung aus, die andere wahrnehmen. Das zeigt etwas Wichtiges: Gedanken und Gefühle sind nicht einfach nichts. Sie haben eine Wirkung, die über den eigenen Körper hinaus in die Umgebung reicht.
Wie unsere Wirkung zu uns zurückkehrt
Was in die Umgebung hinauswirkt, kommt auch wieder zurück. Ein einfacher Vergleich ist ein Stein, der ins Wasser fällt. Sobald er die Oberfläche berührt, breiten sich Wellen in alle Richtungen aus. Sie laufen weiter, erreichen schließlich das Ufer, werden dort zurückgeworfen und kehren zum Ausgangspunkt zurück. Niemand muss diese Wellen eigens zurückholen. Ihre Rückkehr ergibt sich ganz selbstverständlich aus dem Vorgang selbst. Ähnlich verhält es sich mit dem, was ein Mensch durch sein Denken, Empfinden und Handeln in seiner Umgebung auslöst. Es geht von ihm aus und findet auf irgendeine Weise zu ihm zurück. Nicht als Strafe, sondern als natürliche Folge, so wie die Wellen des Wassers.
Wie eine solche Wirkung entstehen kann, lässt sich an einem ganz alltäglichen Beispiel veranschaulichen. Eine Frau trägt einen Korb mit frisch gebackenem Kuchen durch eine belebte Straße. Der Duft breitet sich um sie herum aus. Menschen, die eben noch an etwas ganz anderes gedacht haben, nehmen ihn wahr und bekommen plötzlich Appetit. In ihnen entsteht das Verlangen, selbst ein Stück von diesem Kuchen zu essen. Die Frau hat niemanden angesprochen und niemanden aufgefordert, diesen Wunsch zu entwickeln. Dennoch geht von dem, was sie bei sich trägt, eine Wirkung aus, die andere erreicht und in ihnen ein entsprechendes Verlangen hervorruft. Je stärker der Duft ist und je näher sie an den Menschen vorbeigeht, desto mehr werden davon berührt.
Der äußere Anblick löst Gedanken und Gefühle aus
An diesem Beispiel wird zunächst etwas Einfaches sichtbar: Eine freie Entscheidung bleibt nicht immer auf den Menschen beschränkt, der sie trifft. Sobald sie nach außen wirkt, kann sie bei anderen Empfindungen, Vorstellungen und sogar ein Verlangen auslösen, auch wenn diese Wirkung nicht beabsichtigt war. Der Duft des Kuchens wird von den Sinnen aufgenommen und wirkt im Inneren der anderen Menschen weiter. Bei einem äußeren Anblick geschieht etwas Vergleichbares. Auch das, was ein Mensch durch seine Kleidung zeigt, wird wahrgenommen und kann in anderen bestimmte Vorstellungen und Gelüste hervorrufen.
Wirkung und persönliche Verantwortung
Nun lässt sich vorstellen, dass eine Frau durch eine belebte Straße geht und dabei einige unbekleidete Körperstellen zur Schau stellt. Viele Menschen sehen sie, ohne sich dabei etwas Besonderes zu denken. Einige jedoch entwickeln in diesem Augenblick Gedanken und Gefühle, die nicht von Achtung getragen sind. Es sind begehrliche, lüsterne oder herabsetzende Gedanken. Sie entstehen durch den Anblick, ohne dass die Frau dies verhindern kann. Denn so wie der Duft eines wohlriechenden Kuchens auf andere wirkt, ohne dass sich dem jemand entziehen können, üben auch die unbekleideten Körperstellen ihre Wirkung auf die Menschen in der Umgebung aus. Es kann keine Ursache ohne Wirkung bleiben, das würde dem ewig wirkenden Naturgesetz der Wechselwirkung widersprechen.
Unsichtbare Gedanken als innere Belastung
An diesem Punkt liegt der entscheidende Vorgang: Solche Gedanken bleiben nicht ausschließlich bei den Menschen, die sie hervorbringen. Ein auf einen Menschen gerichteter Gedanke bewegt sich gleichsam auf sein Ziel zu, wie ein Brief, der abgeschickt wird. Sichtbar ist er nicht, doch er kommt an, ohne dass die Empfängerin etwas dagegen tun könnte. Wenn nicht nur ein einzelner, sondern viele Menschen wiederholt solche Gedanken auf dieselbe Frau richten, sammeln sie sich um sie. Sie haften ihr an und bilden eine für das grobstoffliche Auge unsichtbare Schicht. Je häufiger gleichartige Gedanken hinzukommen, desto dichter wird diese Schicht. Ähnliche Gedanken werden angezogen, wie Eisenspäne von einem Magneten. Menschen, deren feinstoffliches Sehen ausgeprägt ist, können diesen Vorgang wahrnehmen.
Die Wirkung lässt sich mit einem schweren Rucksack vergleichen, den ein Mensch ständig trägt, ohne von seinem Gewicht zu wissen. Mit der Zeit kann jener Mensch müder, unruhiger und rastloser werden, ohne die Ursache dafür zu erkennen. In entsprechender Weise können die angesammelten fremden Gedanken auf das eigene Empfinden, die Stimmung und die innere Ruhe einwirken. Nicht deshalb, weil jemand bewusst Böses tun wollte, sondern weil sich eine bestimmte Ursache mit ihren Folgen auswirkt. Ein weißes Kleid wird schmutzig, wenn es durch Schlamm getragen wird, unabhängig davon, ob der Schmutz beabsichtigt war oder nicht.
Frauen sind von diesem Vorgang in besonderem Maße betroffen, denn sie besitzen von Natur aus eine feinere Empfindungsfähigkeit als der Mann. Diese Feinheit ist keine Schwäche, sondern eine besondere Gabe. Sie macht jedoch zugleich empfänglicher für das, was in der Umgebung wirksam ist. Wie ein hochempfindliches Messgerät selbst die leisesten Ausschläge wahrnimmt, können Frauen feine, unsichtbare Wellen schneller und tiefer aufnehmen, das geschieht meist unbewusst. Dadurch wirken sie in diesem Bereich wie ein Magnet: Sie ziehen gleichartige Gedankenformen an und nehmen sie unbewusst in sich auf. Was sie besonders feinfühlig und empfänglich macht, macht sie hier zugleich besonders verwundbar. Darum liegt in der bewussten Gestaltung des eigenen Äußeren nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, sondern auch die Verantwortung dafür, welche Empfindungen und Gedanken dadurch in der Umgebung ausgelöst werden und damit zum Absender selbst zurückkehren.
Die Wirkung des eigenen Auftretens auf das gemeinsame Umfeld
Befindet sich eine Frau in einer Partnerschaft oder ist sie Mutter, endet diese Wirkung nicht bei ihr selbst. Sie würde das aufgenommene und verdichtete Feld in ihren engsten Lebensbereich mitnehmen und damit auch die Menschen berühren, die mit ihr verbunden sind. Das lässt sich mit einem Menschen vergleichen, der täglich Schmutz an den Schuhen in die Wohnung trägt. Nicht nur er selbst, sondern auch alle, die mit ihm dort leben, müssen sich in der dadurch veränderten Umgebung bewegen.
Dieses Bild soll nicht bedeuten, dass eine Frau für die Gedanken anderer schuldig wäre.
Jeder Mensch bleibt für seine eigenen Gedanken und Empfindungen selbst verantwortlich. Es soll vielmehr die Verantwortung für das bewusst machen, was durch das eigene Auftreten immer wieder ausgelöst und dadurch möglicherweise zu einem dauerhaften Feld verdichtet wird. Wer ein solches Feld in den gemeinsamen Lebensraum trägt, stellt auch die ihm anvertrauten Menschen täglich unter seinen Einfluss. In diesem Sinne wäre die Gestaltung des eigenen Äußeren nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern könnte auch als Verantwortung gegenüber dem Partner, den Kindern und allen anderen Menschen verstanden werden, die mit diesem Feld leben müssen.